DEUTSCHER LEHRERVERBAND (DL) - AKTUELL

14.07.2015

Fachtagung 2015
Deutscher Lehrerverband und Hanns-Seidel-Stiftung
in Kooperation
mit der Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Lehrkräfte ABL und dem Bund Freiheit der Wissenschaft


 "Akademikerschwemme versus Fachkräftemangel"

Am 8. Juli 2015 fand die Fachtagung „Akademikerschwemme versus Fachkräftemangel“ als Kooperationsveranstaltung der Hanns-Seidel-Stiftung mit dem Deutschen Lehrerverbandes in München statt, in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Lehrkräfte ABL und dem Bund Freiheit der Wissenschaft - auf dem Foto v.l.n.r.:  Josef Kraus (DL), Prof. Ursula Männle (HSS), Ursula Lay (ABL) , Dr. Winfried Holzapfel  (BFW)Fachtagung 2015 - Akademikerschwemme versus Fachkräftemangel - Veranstalter, Bildcopyright: Hanns-Seidel-Stiftung.

Nach der Begrüßung durch die Vorsitzende der Hanns-Seidel-Stiftung Prof. Ursula Männle und durch den Präsidenten des Deutschen Lehrerverbandes Josef Kraus nahm als Vertreter des Bayerischen Kultusministeriums Ministerialdirektor Herbert Püls zum Thema der Fachtagung Stellung.

In seinem Vortrag „Alle wollen „Abi“ und „Uni“ – Über tabuisierte Ursachen von Bildungshysterie und Bildungsdünkel“ betrachtete Prof. Rainer Dollase von der Universität Bielefeld, wie sich in den vergangenen Jahrzehnten die gesellschaftliche Einstellung zu unterschiedlichen Bildungsabschlüssen der beruflichen und der akademischen Bildung verändert hat. Er diagnostizierte als Kollateralschäden der zunehmenden Akademisierung die Ächtung wichtiger Berufsbilder durch gesellschaftliche Diskurse und Medienberichte. Um das Ungleichgewicht zwischen akademischer und beruflicher Bildung auszugleichen, müsse Dünkel, der sich am Schulabschluss festmache, vermieden werden, körperliche und handwerkliche Arbeit dürfe im Vergleich zur kognitiven Arbeit nicht weiter abgewertet werden.

Mit einer genauen statistischen Betrachtung der Situation auf dem beruflichen Stellenmarkt und dem Ausbildungsmarkt konnte Dr. Robert Helmrich vom Institut für Berufsbildung BIBB in seinem Vortrag „Fachkräftemangel und Fachkräfteüberschuss: Wohin steuert der deutsche Arbeitsmarkt?“ darlegen, welche Lücken in welchen beruflichen Feldern bei den Fachkräften entstehen und dass diese aber immer sehr differenziert betrachtet werden müssen: Mangel und Überfluss unterscheiden sich regional und von Berufsbild zu Berufsbild, um Fachkräfteengpässe zu vermeiden, bedarf es in Ausbildung, Studium und Berufswegen einer erhöhten Flexibilität.

Prof. Nida-Rümelin von der LMU München untersuchte in seinem Vortrag „Perspektiven akademischer und beruflicher Bildung“: Er analysierte als Ursachen der Akademisierung einige gesellschaftliche und politische Glaubenssätze, die meist unhinterfragt blieben: darunter den Blick auf das Abitur als Normalfall des Schulabschlusses und die Befürchtung, ohne Abitur und Studium drohe gesellschaftlicher Abstieg sowie den Glauben, dass allein der quantitative Anteil an tertiärer Bildung ein qualitatives Merkmal des Bildungssystems eines Staates sei. Des Weiteren kritisierte er die Überzeugung, dass ein Anstieg der Akademikerquote unbegrenzt wünschenswert sei oder dass alle beruflichen Bildungswege an Universitäten und Fachhochschulen verlegt werden sollten.

Zum Ende der Tagung tauschten sich in einer Podiumsdiskussion, moderiert von Ferdinand Knauß, die Vertreter des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (Dr. Volker Born), des Industrie- und Handelskammertages (Hubert Schöffmann) und des Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung  (Dr. Britta Matthes) miteinander und mit dem Publikum über die Situation und Bedingungen der beruflichen Bildung in Deutschland aus.Podiumsdiskussion Fachtagung 2015

Die thematische Eröffnung der Tagung durch den Präsidenten des Deutschen Lehrerverbandes Josef Kraus können Sie hier nachlesen. Das Programm der Tagung finden Sie unter diesem Link.

Eine Dokumentation der Fachtagung ist für das 4. Quartal 2015 geplant.

Anne Schirrmacher

(Auf dem Bild (c) Hanns-Seidel-Stiftung die Teilnehmer der Podiumsdiskussion v.l.n.r.: Dr. Volker Born (ZdH), Hubert Schöffmann (IHK), Ferdinand Knauß (Moderation) und Dr. Britta Matthes (IAB).)





 

 



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