DEUTSCHER LEHRERVERBAND (DL) - PRESSEERKLÄRUNG  


  Berlin, 20. April 2011         



Lehrerverband zum UNESCO-Welttag des Buches

am 23. April: "Deutschland braucht eine  Offensive für Schulbibliotheken"

"Den Nutzen haben die jungen Leute in allen Schulfächern und Lebensbereichen."


Zum UNESCO-Welttag des Buches am 23. April fordert der Deutsche Lehrerverband (DL) mehr und besser ausgestattete Schulbibliotheken. DL-Präsident Josef Kraus, selbst Leiter eines Gymnasiums und einer darin integrierten öffentlichen Kreis- und Stadtbibliothek, weist darauf hin, dass es in Deutschland keine überzeugende schulische Bibliothekskultur gebe. Im Einzelnen sagte Kraus:
 

„Viele Schüler haben im Elternhaus wenig bis gar keinen Kontakt zu Büchern, Zeitschriften und Zeitungen. Doch gerade die internationalen Schulleistungsstudien belegen, dass die Nähe zum gedruckten Wort ein wesentlicher Faktor bei der Lesefähigkeit und Leselust ist. Wenn diese Nähe nicht im Elternhaus gegeben ist, wenn die Eltern ihre Kinder nicht an Bücher und die Möglichkeiten von Bibliotheken heranführen, dann könnte wenigstens die Schule den Kindern einen Ort des Lesens bieten – aber nur, wenn den Schulen die entsprechenden finanziellen und organisatorischen Mittel zur Verfügung gestellt werden.

Doch in Deutschland gibt es wenige Schulbibliotheken, die diesen Namen verdienen. Oft handelt es sich nur um Lager von mehr oder weniger gut erhaltenen Klassensätzen älterer und neuerer Schulbücher. Schulbibliotheken als freies Angebot für Schülerinnen und Schüler, um ihre Lesewünsche jenseits von schulischen Inhalten zu erfüllen oder um in eigenen Interessensgebieten selbstständig weiterzuforschen, sind bisher die Ausnahme.


Im Zeitalter von Google und Wikipedia liegt das Augenmerk allzu häufig auf der Ausstattung der Schulen mit Computer und neuen Medien. Doch die Ausstattung der Schulen mit klassischen Printmedien sollte darüber nicht vernachlässigt werden. Das Lesen eines Buches ist eine andere Erfahrung als das Überfliegen eines Textes am Bildschirm, und den Inhalt eines Buches wiederzugeben oder zu erörtern, ist zwar anstrengender, aber auch lohnenswerter, als mit Copy & Paste Textpassagen für eine Arbeit oder Präsentation zu übernehmen. Lesen beflügelt die Vorstellungskraft, entführt in andere Welten – und doch erfährt und lernt der Leser vieles, was ihm im Alltag weiterhelfen kann.


Eine Schulbücherei sollte mit einem breiten Sortiment sowohl an Belletristik als auch an interessanten Sachbüchern Kinder aller Altersstufen und Interessen locken können. Autorenlesungen, Lesezirkel, Lesetagebücher, Lesepatenschaften – das alles kann dann zusätzlich die Lesefreude der Schülerinnen und Schüler wecken. Wichtig sind aber nicht nur die angebotenen Bücher, sondern auch Räumlichkeiten, die einen angenehmen Aufenthaltsort nach dem Unterricht oder in Freistunden bieten. Gerade in Zeiten des Ausbaus der Ganztagsschulen sollte eine gut sortierte Schulbibliothek eine Selbstverständlichkeit sein.


Doch eine Schulbibliothek mit vielen Büchern und ausreichendem Personal ist nicht zum Nulltarif zu haben. Dass sich entsprechende Investitionen aber lohnen, zeigt ein Blick in Länder, in denen bereits eine etablierte Schulbibliothekskultur vorhanden ist – zum Beispiel in Südtirol. Ein gezieltes Förderprogramm für Schulbibliotheken würde sicherlich auch zu einem Ansteigen der Lesefreude und damit der Lesekompetenz der deutschen Schülerinnen und Schüler führen. Den Nutzen hätten die jungen Leute in allen Schulfächern und Lebensbereichen.“



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Für den Inhalt verantwortlich: Karen Ullrich und Anne Schirrmacher (DL)



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