DEUTSCHER LEHRERVERBAND (DL) - PRESSEERKLÄRUNG  

Bonn, 4. November 2005         
Lehrerverband zur "tatsächlichen Gerechtigkeitslücke im deutschen Schulwesen"

"Schwache deutsche PISA-Länder vergeben mehr höhere Schulabschlüsse"
Der Deutsche Lehrerverband (DL) hat die Kultusministerkonferenz (KMK) aufgefordert, die Vereinbarung über die Vergabe der mittleren Bildungsabschlüsse einer kritischen Bilanz zu unterziehen. Diese Vereinbarung aus dem Jahr 1993 habe sich als zu vage und gegenüber Leistungsansprüchen als zu liberal erwiesen. In der Folge sei daraus zum Schaden aller Schüler eine erhebliche Gerechtigkeitslücke zwischen den deutschen Ländern entstanden.

Konkret sagte DL-Präsident Josef Kraus dazu:


„Deutsche Länder, die bei PISA ausgesprochen schwach abgeschnitten haben, vergeben dennoch in weitaus größerer Zahl formal höhere Schulabschlüsse. Das ist die eigentliche Gerechtigkeitslücke im deutschen Schulwesen. Beispiel 1: Die Schüler der drei Stadtstaaten, Niedersachsens und Nordrhein-Westfalens rangieren um ein bis zwei Schuljahre hinter den Schülern der süddeutschen Länder, bekommen aber zu weitaus größeren Anteilen ein Zeugnis der Mittleren oder der Hochschulreife. Beispiel 2: Bayerische Hauptschüler erreichen mit ihrem PISA-Ergebnis die Realschüler Bremens und Hamburgs; letztere erhalten alle das Zeugnis der Mittleren Reife, Bayerns Hauptschüler nur in sehr wenigen besonderen Fällen.

Die Kultusministerkonferenz ist aufgefordert, ihren eigenen so genannten Orientierungsrahmen über Bord zu werfen. Mit dieser Rahmenvereinbarung waren im Jahr 1993 alle mittleren Schulabschlüsse in Deutschland ohne Rücksicht auf deren Qualität deutschlandweit anerkannt worden. Wie PISA beweist, hält aber nicht jedes schulische Berechtigungszeugnis, was es verspricht. Die Hochschulen, die beruflichen Schulen und die Unternehmen wissen ein Lied davon zu singen. Schlechtere Leistungen und trotzdem bessere Noten sowie höhere Schulabschlüsse, das darf es nicht mehr geben. Deshalb wird es höchste Zeit, dass alle sechzehn Ländern für den Erwerb des mittleren Bildungsabschlusses und eines gehobenen Hauptschulabschlusses eine zentrale und jeweils landeseinheitliche Abschlussprüfung etablieren. Das ist auch im Interesse einer Stärkung der Ausbildungsreife der jungen Leute. Im Übrigen hat PISA wiederholt bestätigt, dass zentrale Abschlussprüfungen niveauhebend wirken.“

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Für den Inhalt verantwortlich: Waltraud Fuchs



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