DEUTSCHER LEHRERVERBAND (DL) - AKTUELL




DL-Präsident Josef Kraus in „BILD“ vom 24. November 2014

 "Ich warne vor der totalen Computerisierung des Klassenzimmers"

Deutsche Schüler sind nur Mittelmaß im Umgang mit Computer und Internet! Das ist das ernüchternde Ergebnis der ersten internationalen Digital-Studie („International Computer and Information Literacy Study“, ICILS) bei Achtklässlern. Ein Grund laut Experten: Es fehlen Computer & Co. im Klassenzimmer!

Aber: Josef Kraus, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, warnt jetzt vor einer „totalen Computerisierung“! „Natürlich müssen wir unseren Schülern auch den Umgang mit den neuen Medien beibringen. Aber ich warne vor der totalen Computerisierung und Digitalisierung des Klassenzimmers“, sagt der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes Josef Kraus zu BILD.

Kraus weiter: „Wir dürfen damit nicht schon in der Grundschule anfangen, nicht in jedem Schulfach und wir brauchen keine Laptop-Klassen.“

Laut der Digital-Studie der ICILS besuchen die Achtklässler in Deutschland Schulen, in denen auf elf Schüler ein Computer kommt. Damit liegen wir fast im europäischen Durchschnitt (11,6 Schüler auf einen PC). Allerdings: In Norwegen teilen sich nur 2,4 Schüler einen PC. 40 Prozent der deutschen Lehrer stellen allerdings dem Equipment an ihren Schulen ein schlechtes Zeugnis aus, weil es veraltet ist. Und nur 6,5 Prozent der deutschen Schüler gehen in eine Klasse, in der es Tablets für den Unterricht gibt (Vergleich EU: 15,1 Prozent).

Als Ergebnis der Studie hatte die Staatssekretärin im Bildungsministerium, Cornelia Quennet-Thielen, angekündigt, dass der Bund den Ländern in den kommenden Jahren bis zu 500 Millionen Euro zur Verfügung stellen werde, um Lehrer in diesem Bereich stärker auszubilden.

Für den Chef des Lehrerverbandes ist das nicht nötig. Kraus warnt: „Die Gefahr ist, dass eine totale Digitalisierung die Flüchtigkeit der Schüler fördert. Der Mangel an Konzentration und Durchhaltevermögen ist eine weitere Folge. Auch verlieren die Kinder die Fähigkeit, handschriftlich zu schreiben. Damit geht ein Stück Individualität verloren. Außerdem suchen die Schüler nur noch das, was genau in ihr Weltbild passt.“
Statt nur an die Förderung der Digitalisierung zu denken, sollte die Politik lieber in die Schulbibliotheken investieren und damit die Fähigkeit zum Lesen fördern. Das Internet fördere die Bequemlichkeit und animiere viele Schüler zum Beispiel zu „Copy and Paste“-Referaten.


 

 



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