DEUTSCHER LEHRERVERBAND (DL) - AKTUELL

 

Festvortrag von DL-Präsident Josef Kraus beim Verein Deutsche Sprache (VDS) vom 14. Juni 2013 in Rudolstadt

 

"Sprachliche Bildung ist nicht alles, 

aber ohne sprachliche Bildung ist alles nichts“

 

 

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Es ist nur wenige Wochen her, daß wir wunderschöne Nachrichten über den Zustand unserer Muttersprache vernehmen durften. Ich meine den „Bericht zur Lage der deutschen Sprache“ – aufgelegt von der „Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung“.

 

Darin finden sich - brav kommentiert von den „Mainstream“-Medien (pardon: der Qualitäts-Presse) - so gigantische Befunde wie folgende:

-        Die deutsche Sprache sei gesünder als zu Goethes Zeiten.

-        Zwar nehme die Vielfalt grammatischer Flexion ab, auch der Genetiv und die starken Verben seien nicht mehr zu retten; dafür aber werde die Lexik immer reicher.

-        Der Wortschatz habe sich binnen hundert Jahren um rund ein Drittel auf rund 5,3 Millionen lexikalische Einheiten vermehrt.

-        Außerdem sei das Kiez- bzw. Kanak-Deutsch eine Bereicherung. („Ich gehe Schule.“)

-        Die Zahl der Anglizismen sei binnen hundert Jahren von rund eintausend auf „nur“ rund elftausend gestiegen. Was sei das schon angesichts von 5,3 Millionen lexikalischen Einheiten!

 

Angesichts solcher Jubelbefunde wird niemand bezweifeln: Die deutsche Sprache ist kerngesund!!!

 

Niemand? Ich bin dieser Niemand. Ich widerspreche dem Gesundheitsbefund heftig, denn dieser Befund entstammt dem Elfenbeinturm von Akademien.

 

Ich widerspreche vor allem deshalb, weil hier die Rechnung ohne den Wirt, sprich: die Sprache ohne den Sprecher, gemacht wurde.

 

Schließlich bekommt vor allem das nachwachsende Sprachvolk den Sprachverfall quasi mit der pädagogischen Muttermilch und mittels medialer Zwangsernährung eingeflößt.

 

Sie merken es schon: Eine richtige Festrede wird diese Rede nicht. Es wird eher eine Kapuziner- , Buß- und Fastenpredigt (wenngleich zeitlich falsch terminiert und vor den falschen Leuten vorgetragen).

 

Reden wir also über Sprache und sprachliche Bildung. Praktizieren wir den Grundsatz von Martin Heidegger:

„Sprache mit Sprache zur Sprache bringen!“

 

Gehen wir dabei (makro- und mikro-)chirurgisch vor. Dazu müssen wir nicht einmal PISA sezieren, denn

-        die PISA-Studie ist mit ihrem verarmten Verständnis von Bildung gerade für die sprachliche Bildung zum Problem geworden, als dessen Lösung sie sich ausgibt; und:

-        das Überraschendste an PISA war ohnehin, daß PISA - bei dem eigentlich bekannten Zustand sprachlicher Bildung in Deutschland - überhaupt eine Überraschung sein konnte.

 

Nun: Während sich die hohe Politik in steigenden Abiturientenquoten sowie in immer besseren Abiturdurchschnittsnoten sonnt; während die hohe Politik mittlerweile Studierberechtigung für Studierbefähigung ausgibt, während alle diese Einbildungen um sich greifen, rauschen die Defizitbefunde nur so an uns vorbei – auch wenn sie im einzelnen nicht unbedingt repräsentativ, in der Summe aber bezeichnend sind.

 

Damit bin ich beim ersten Kapitel:  bei Befunden. Danach folgen als Kapitel II, II und IV: Irrwege der Bildungspolitik und der Pädagogik - Sprachpsychologisches und Sprachphilosophisches - Was wir brauchen

 

 

Kapitel I:

Befunde

 

1. Im Sommer 2012 vernehmen wir: Deutsche Studienanfänger weisen massive Lücken in Rechtschreibung, Grammatik und Syntax auf, und sie zeigen eine mangelnde Lesekompetenz. Sie sind nur eingeschränkt fähig, selbstständig zu formulieren uns zusammenhängende Texte zu schreiben. Es mangelt ihnen auch an der Fähigkeit, bei Vorlesungen so mitzuschreiben, daß sie das Mitgeschriebene nachher mit Gewinn wieder verwenden können. Zu diesem Schluß kommt eine Umfrage von Gerhard Wolf, Philologe an der Universität Bayreuth, an den 135 philosophischen Fakultäten in Deutschland.

2. Eine Jura-Professorin (Jantina Nord, Wismar) fand anhand eines Sprachkompetenztests heraus, daß die Studenten den Konjunktiv nicht mehr beherrschen (was ja etwa in Gerichtsurteilen, Anklageschriften oder Gutachten von Belang sein kann). Außerdem diagnostiziert die Professorin bei Studenten einen immer kleineren Wortschatz: Viele würden den Ausdruck „verlustig gehen“ mit „lustig“ in Verbindung bringen und den Ausdruck „übervorteilt“ mit „besonders günstig“.

 

3. An der Universität Kassel wurde das Projekt „KoDeS“ – (Kompetenzbereich Deutsche Sprache) entwickelt. Weil sogar Bachelor- und Magisterarbeiten vor Fehlern strotzen, hat man dort einen „Sprachstandstest“ entwickelt und für die „Bedürftigen“ ein zweitägiges Wochenendseminar zur Verbesserung der Lesestrategien und des Ausdrucksvermögens etabliert.

 

4. Lehramtsstudenten des Faches Deutsch weisen erhebliche Grammatiklücken auf. Nur zehn Prozent würden in einem Grammatiktest mit „befriedigend“ abschneiden, selbst wenn nur Stoff der siebten und achten Klasse abgefragt würde. Es mangle – so die Studie – an der Fertigkeit, Konjunktive zu erkennen bzw. zu bilden, an korrekten Pluralbildungen und an der Kenntnis um Wortarten.

 

5. An der Ruhr-Universität stellt man am Lehrstuhl für Kriminologie einen problematischen Umgang der Studenten mit Rechtschreibung und Grammatik sowie eine schwach ausgeprägte Lesekompetenz fest. Studenten hätten Probleme, Kernaussagen aus Texten oder Vorlesungen in eigenen Worten wiederzugeben.

 

6. Der Siegener Germanist Wolfgang Steinig hat in einer über 40 Jahre angelegten Längsschnittstudie festgestellt, daß Grundschüler im Durchschnitt erheblich mehr Rechtschreibfehler machen:

-        1972 machten sie bei einem Text mit 100 Wörtern sieben Fehler

-        2002 zwölf Fehler

-        2012 siebzehn Fehler.

Und das trotz – oder wegen? – einer Rechtschreibreform, die uns bis zu 70 Prozent weniger Fehler versprach!

Gestiegen, so diese Untersuchung - ist zugleich die Zahl der Flexions- und Satzbaufehler, der Wortschatz ist vor allem bei Kindern aus bildungsferneren Schichten geschrumpft.

 

7. 23 Prozent der Grundschüler unterhalten sich zu Hause nicht auf Deutsch, wird im Mai 2013 für Hamburg festgestellt. Das sind Sprach-Parallelgesellschaften!

 

8. Die AOK teilt mit, daß 22 Prozent der sechsjährigen Jungen eine Therapie wegen Sprachstörungen bekommen, bei Mädchen sind es „nur“ 14 Prozent

 

Diese acht wahllos herausgegriffenen Befunde mögen reichen. Sie beziehen sich zu einem erheblichen Teil (die ersten fünf Befunde nämlich) auf die angehende akademische Elite! Was Ausbildungsbetriebe und berufliche Schulen vermelden, habe ich noch nicht einmal aufgelistet.

 

Wer bei solchen Defizitbefunden davon spricht, daß die deutsche Sprache kerngesund sei,

-        der hat einen real existierenden Knick in der Optik und

-        der betreibt eine eigenwillige Dialektik, die etwas Defizitäres und Destruktives als Bereicherung darstellt. (Aber eine solche Bereicherungs-Dialektik greift ja auch in anderen gesellschaftlichen und kulturellen Bereichen um sich!)

 

Zurück zum Thema: „Sprachliche Bildung ist nicht alles, aber ohne sprachliche Bildung ist alles nichts.“ Das ist meine These.

 

Wenn ich das so behaupte, dann möge mir bitte keiner vorhalten, ich würde die Bildung im sog. MINT-Bereich (ein Begriff, den ich nicht so sehr liebe!) geringschätzen. Jedoch sollten selbst die eingefleischtesten MINT- Vertreter zur Kenntnis nehmen, daß auch MINT-Bildung des höchsten sprachlichen Verständnisses und Ausdrucksvermögens bedarf.

 

Daß Letzteres in weiten Bereichen nicht der Fall ist, bedarf der Ursachenanalyse.

 

 

Kapitel II:

Irrwege der Bildungspolitik und der Pädagogik

 

 Irrweg A:
Seitens der Schulpolitik und der Schulpädagogik ist sprachlich und literarisch Minimalismus angesagt.

 Ich nenne als neun Belege hierfür:

-        die geringe Stundenausstattung des Faches Deutsch als Schulfach zwischen der ersten und zehnten Klasse: nur ganze 16 Prozent der Wochenstunden;

-        die Kürzung des Deutschunterrichts in der Grundschule zugunsten von Früh-Englisch;

-        das Herunterfahren des curricular ausgewiesenen Grundwortschatzes auf nur noch 700 Wörter aktiven Wortschatzes am Ende der 4. Grundschulklasse;

-        die selbst in gymnasialen Klassenstufen oft nur üblichen drei Deutschstunden pro Woche;

-        einen bilingualer Unterricht, der eher auf eine zweifache Halbbildung hinausläuft;

-        den Verzicht auf das Auswendiglernen von Gedichten;

-        die mikrochirurgische Analyse kopierter Textauszüge als Leseverhinderungspädagogik;

-        das Zustöpseln von Lückentexten anstelle des Verfassens von zusammenhängenden Antworten;

-        die Abschaffung der lateinischen Ausgangsschrift;

 

Die Favorisierung des Englischen in allen Bereichen – leider auch gefördert von Leuten wie einem EU-Kommissar Oettinger und einem Bundespräsidenten Joachim Gauck – kommt hinzu.

 

Ferner: Gerade im Deutschunterricht hat eine „Furie des Verschwindens“ gewütet. „Alles spricht vom Waldsterben und vom Ozonloch; es wird Zeit, daß man auch vom Klassikersterben und vom Traditionsloch zu sprechen beginnt“ (Helmut Fuhrmann).

 
Entrümpelungsdebatte heißt das pädagogisch korrekt, und die Entrümpler geben sich kinderfreundlich, weil man ja den Kleinen doch bitte nicht zu viel zumuten dürfe.  Dabei bin ich längst der Überzeugung, daß vor lauter gefühlten und oktroyiertem Schulstreß viele vergessen haben, den Kindern etwas mehr zuzutrauen, aber auch etwas mehr zuzumuten.

 

Teil der Entrümpelungsaktionen ist die Produktion von Leichtgewichtsversionen von literarischen Klassikern. Klassiker „light“ würde ich sagen, wenn ich nicht gerade den VDS vor mir hätte. Schulbuchverlage haben jedenfalls eine ganze Reihe von klassischen Werken „modernisiert“. Goethes „Götz“, Schillers „Räuber“ und Schillers „Tell“, Storms „Schimmelreiter“. Kulturbarbarei müßte ich es nennen, wenn ich mir den Begriff nicht aufheben müßte für die nächste zu erwartende Stufe: „Faust“ als Comic. Weit weg sind wir nicht davon, auch im Lateinischen nicht, wenn ich mir vergegenwärtige, daß Lateinbücher mittlerweile eher Bilderbüchern als Textbänden gleichsehen.

 

Irrweg B:
Die Pädagogik der Kompetenzen und der Standards entwickelt sich mehr und mehr zum
Trojanischen Pferd unseres Bildungswesens .

 „Kompetenz“ – dieser Begriff macht ungebremst Karriere. Das erkennt man schon daran, wie inflationär dieser Begriff verwendet wird.

Ich zähle ’mal – gewiß unvollständig - ein paar (an die dreißig) Kompetenzen auf, die ich in deutschen Curricula fand: Methoden-Kompetenz, Lern-Kompetenz, Medien-Kompetenz, Führungs-Kompetenz, Umsetzungs-Kompetenz, Human-Kompetenz, Kritik-Kompetenz, mentale Kompetenz, Kern-Kompetenz, Frage-Kompetenz, Orientierungs-Kompetenz, Begriffs-Kompetenz, Strukturierungs-Kompetenz, Analyse-Kompetenz, Wahrnehmungs-Kompetenz, Urteils-Kompetenz, De-Konstruktions-Kompetenz, Re-Konstruktions-Kompetenz, Narrative Kompetenz …

Und dann immer wieder

-        die Handlungs-Kompetenz (die boshafte Leute übersetzen mit „Dübeln statt Grübeln“)

-        und die Selbst-Kompetenz, zum Beispiel in Form von Selbstentfaltung, Selbstevaluation, Selbstregulierung, Selbstverwirklichung, Selbstzentrierung.

Einmünden sollen all diese Kompetenzen auf einer elaborierten, intermediären oder basalen Ebene in Vertikal-, Horizontal- oder gar Meta-Kompetenzen.

Deutsche Leerpläne sind das! Ich könnte all das auch pseudopädagogische Logorrhoe nennen.

Kompetenzen sind also in aller Munde. An einer Münchner Hochschule gab es ab 2003 eine Professorin (echt weiblich, nicht wie seit neuestem an der Uni Leipzig eine männliche Professorin) für Schlüsselqualifikationen. Sie warb für Ihre Veranstaltungen zur Schulung von „soft skills“ mit dem Slogan: „Fakten haben ausgedient.“

Und bereits Grundschul-Curricula sind in manchen deutschen Ländern „skandalös inhaltsfrei“, sagt der Professor für Grundschuldidaktik der LMU München, Joachim Kahlert.

Nun, wo von Kompetenzen gesprochen und geschrieben wird, ist der Begriff der „Bildungsstandards“ nicht weit. Für mich ist allerdings allein schon dieser Begriff schief. Er ist mir ein Greuel, denn Bildung kann man nicht standardisieren, weil man Bildung nicht uniformieren kann.

Dementsprechend halte ich zum Beispiel die Bildungsstandards der KMK für die Allgemeine Hochschulreife im Fach Deutsch (Entwurf vom August 2011) für einen Schuß in den Ofen. Es werden dort sage und schreibe 94 Kompetenzen aufgelistet – alle verbal gigantisch überhöht.

Unter „Lesen“ heißt es unter anderem: „Die Schüler können

-             Verstehensbarrieren identifizieren und sie zum Anlaß eines textnahen Lesens nehmen.

-             Die Einsicht in die Vorläufigkeit ihrer Verstehensentwürfe zur kontinuierlichen Überarbeitung ihrer Hypothesen nutzen.“

Unter „Sprache reflektieren“ steht : „Die Schüler können in geeigneten Nutzungszusammenhängen mit grammatischen Kategorien argumentieren.“

Alles klar? Man könnte zu all diesen Kompetenzen- und Standards-Sprechblasen-Abteilungen mit Goethe sagen: „Es gibt nichts Entsetzlicheres als tätige Unwissenheit.“

Besonders stört mich, daß die Kompetenzenpädagogik noch keinerlei Bilanz vorgelegt hat, wiewohl sie geraume Zeit dafür gehabt hätte.

Bildungsstandards gibt es zum Beispiel seit 2003/2004 für die 4. Klasse der Grundschule. Aus der Sicht weiterführender Schulen muß ich leider feststellen: Die Fertigkeiten und Kenntnisse der Grundschüler, die wir an weiterführenden am Gymnasium aufnehmen, haben sich seit 2004 trotz der von der KMK angestoßenen Kompetenzorientierung keineswegs verbessert – eher ist das Gegenteil der Fall.

Bezeichnend ist, wer die Einflüsterer solcher Pädagogik sind. Es sind dies vor allem die OECD und die Bertelsmann-Stiftung. Ausgerechnet Bertelsmann! – ein Konzern, der zwar gerne auf Bildung macht, der als Hauptanteilseigner gewisser  unterirdischer TV-Programme aber eher Verblödungs- als Bildungsprogramme auflegt.

Ich habe ferner den Eindruck, daß uns mit der Kompetenzenpädagogik eine operationalistische Verarmung von “Bildung” droht: Bildung ist das, was ein Test mißt oder die OECD auszuzählen vorgibt.

Mit Sprache oder sprachlicher Bildung hat das wenig zu tun. Hier definiert die Meßmethode das Objekt der Messung. Siehe die Tatsache, daß Deutschtests mittlerweile teilweise zu Ankreuz-Test verkommen sind!

"literacy"-Konzept nennt man das. Und Naivlinge meinen, das habe mit literarischer Bildung zu tun. Nein: Mit „literacy“ ist gemeint, daß Menschen Texte so lesen sollen, daß sie danach Ankreuz-Tests bearbeiten können.

Bildung, gerade sprachliche Bildung, wird durch solche Operationalisierung aber verarmt.

 

Irrweg C:

In Schulen und Hochschulen ist mittlerweile eine wahre Manie an PPPP ausgebrochen: Power Point Presentation Pest.

 

Realiter schaut das dann so aus: Bereits Zwölfjährige beamen ihre Zuhörer (den Lehrer und ihre Klasse) - curricular vorgeschrieben - ins Powerpoint-Paradies bzw. ins Wachkoma. Begründet wird das damit, daß man diese Techniken heutzutage beherrschen müsse, wenn man etwas auf sich halte und wenn man etwas zählen wolle.

 

Und so erleben wir bei Alt und Jung, wie ein sich dynamisch-hilflos von Bild zu Bild quälender sog. Redner uns von einer Leinwand etwas vorliest, was wir auch selbst von der Leinwand lesen könnten.

 

Für einen solches Powerpoint-Karaoke bräuchte man keinen Redner mehr.

 

Irrweg D:
Seit 1998 ist die viel versprechende (getrennt, nicht zusammengeschrieben) sog. Rechtschreibreform in Kraft! Man muß daran erinnern. Denn die ganze Sache ist ein Flop.

Polemische Leute meinen ja sogar, die Rechtschreibreform sei der gefälligkeitspolitische Kniefall vor der fortschreitenden Legasthenisierung der Gesellschaft.

Hätte man statt eines mehr als zehnköpfigen, jahrelang ringenden Professorenteams nur eine einzige Woche lang einen Journalisten, einen Lektor und einen Deutschlehrer in ein Kloster eingesperrt, es wäre ein Reformwerk aus einem Guß geworden – und man hätte viel Geld gespart.

Außerdem hätte es doch eine andere Möglichkeit gegeben, die Rechtschreibleistung unserer jungen Leute zu verbessern, nämlich die Rechtschreibung in den Schulen wieder ernster zu nehmen und konsequenter zu üben anstatt sie als sozial selektives Herrschaftsinstrument zu diskreditieren.

Überhaupt ist der größte Kollateralschaden der Rechtschreibreform das um sich greifende Gefühl der Beliebigkeit: Immer mehr Junge und Alte glauben, man könne in weiten Bereichen so schreiben, wie man will. (Die Erleichterungspädagogik, der zufolge jetzt die phonetische Schreibweise zulässig ist, tut hier ein übriges.)

Vor allem aber hat durch die Rechtschreibreform die Lesbarkeit von Texten gelitten (siehe Komasetzung, siehe Trennung und siehe den weitgehenden Wegfall des ß, das ein Lesegeländer, zum Beispiel in der Konjunktion „daß“ war.) Insofern war es der Kardinalfehler der Reformer, den schreibenden Grundschüler zum Maßstab für die Reform zu machen statt den schreibenden und lesenden Erwachsenen.

 
Irrweg E:
Die Sprache der deutschen Pädagogik wird mehr und mehr von einem „Educational Denglisch“ kontaminiert.. 

 

Vor diesem Kreis über die Denglisch-Seuche zu sprechen ist nicht nötig. Denn jeder von Ihnen ist - zumindest persiflierend - in der Lage, seine sprachlichen Skills permanently so zu posten, daß die Benefits alle BSE- (bad simple English)-Ratings sprengen.

Wer nun meint, wenigstens der Bildungssektor würde sich dieser Anglomanie entziehen, wird bitter enttäuscht sein.

Das Gegenteil ist der Fall: Die Sprache der „Bildung“ gibt sich besonders „trendy“. „Kultus“-Ministerien übertreffen sich gegenseitig mit: Educ@tion, Learntec, knowledge-machines, Soft Skills, Download-Wissen, Just-in-time-Knowledge usw. Fehlt nur noch ein „Last Minute Learning“, wenn dieses Schüler nicht schon längst erfunden hätten.

Eine Schulministerin ist nicht mit den PISA-Ergebnissen aller ihrer Schulen zufrieden; auf die Frage, welche Schulen sie meine, läßt sie antworten, sie wolle kein „naming and blaming“.

Was ist von all dem halten? Es ist affig im Sinne des Nachäffens.

Ernsthaft aber: Diese denglische Verbalerotik hat zu tun mit Selbstverleugnung, zumindest mit Selbstvergessenheit.

Die Londoner „Times“ nennt die Anglomanie der Deutschen gar „linguistic submissiveness“. Und lebte Winston Churchill noch, er würde mit Blick auf diese sprachliche Unterwürfigkeit der Deutschen seinen alten Spruch hervorkramen: „Die Deutschen - man hat sie entweder an der Gurgel oder zu Füßen.“

Tiefenpsychologisch betrachtet handelt es sich um eine verbalerotische Hyperventilation zwischen Imponiergehabe und infantil staunender Gläubigkeit.

Politisch schließlich wird eine solche Sprache zum Politik-Ersatz, das heißt zu einer Politik, die das Etikettieren bereits für politisches Handeln hält. Freilich übersieht eine solche Politik, daß man Substanzverlust nicht mit Sprechblasenproduktion kompensieren kann.

 
Irrweg F:

Auch Wissenschaft und Hochschule praktizieren einen Kniefall vor BSE.

Wenn man über die Rolle des Deutschen in einer weltweiten Wissenschaftlergemeinschaft nachdenkt, so muß man feststellen, daß das Deutsche – zumindest in den Natur- und Technikwissenschaften – keinerlei Rolle mehr spielt. Die Kommunikationssprache auf internationaler Ebene ist das Englische.

Aber mußte es denn sein,

-        daß man das Diplom und das Staatsexamen auf dem Altar der Globalisierung und Europas opfert und jetzt sagt: Bachelor welcome!

-        Daß deutsche Fachhochschulen (deutsche!) sich University of Applied Sciences nennen und - wenn sie besonders dick auftragen wollen - Best practice Hochschule.

-        Daß Informationsbroschüren für Studienanfänger „Roadmap ins Studium“ heißen?

-        Daß Hochschulen Humboldt mit seiner Idee der zweckfreien Bildung des Menschen über Bord schmeißen und dann auch noch frech schreiben: Humboldt meets Bologna

 
Daneben beobachtet man in Deutschland seit einiger Zeit eine zunehmende Verdrängung der Landessprache selbst im internen Wissenschaftsbetrieb.

-        Erbärmlich ist, daß oft sogar auf Fachkongressen in Deutschland mit 90 Prozent deutscher Beteiligung Englisch gesprochen wird.

-        Viele Forschungsförderungsanträge, z.B. beim Bundesforschungsministerium, dürfen von deutschen Wissenschaftlern nur noch auf Englisch eingereicht werden. Begutachtungen der DFG müssen mitunter in englischer Sprache ablaufen, obwohl alle Antragsteller und das Gutachtergremium deutschsprachig sind.

-        Immer mehr Lehrveranstaltungen für deutsche Studenten von deutschen Dozenten werden auf Englisch abgehalten.

 

Ausländische Studenten in Deutschland erfahren, daß sie während ihres Aufenthaltes kein Wort Deutsch lernen müssen.

Es findet also auch hier ein konsequenter Rückbau der deutschen Sprache statt.

Daß eine jede nationale Sprache auch Wissenschaftssprache sein muß, ist wichtig, denn dadurch werden Wissen und Wissenschaft demokratisiert. Die Verwendung der Nationalsprache als Wissenschaftssprache ist also keine Frage des Nationalstolzes, sondern eine der Demokratie.

Auch wenn viele deutsche Wissenschaftler über exzellente Fremdsprachenkenntnisse verfügen: Komplexe Sachverhalte können sie niemals so treffsicher, stilistisch so nuanciert und vor allem so bildhaft wiedergeben, wie das in einer Muttersprache möglich ist. Die Folgen sind

-        Mißverständnisse,

-        die Verflachung des inhaltlichen Niveaus,

-        die Unterdrückung kontroverser Diskussionen, wenn neueste Ergebnisse auf Englisch besprochen werden.

Trotzdem greift ein „Academic pidgin English“ um sich. Und: „The language of good science is bad English.“ Das sagt ironisierend einer der renommiertesten Anglisten in Deutschland, Ekkehard König.

 
Kapitel III:
Sprachpsychologisches und Sprachphilosophisches

„Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt.“ Dieses weithin bekannte Wort stammt von dem österreichisch-britischen Philosophen Ludwig Wittgenstein (1889 – 1951).

Daß diese Grenzen immer enger werden in diesem unserem Lande, daran wird – „q.e.d.“ - an allen Ecken und Enden eifrig gearbeitet.

 Ich halte dies für eine bedenkliche Entwicklung. Denn:

-        So wie das sprachliche Vermögen eines jeden einzelnen Menschen Ausdruck individueller Reife ist,

-        so ist die bewußte Pflege von Sprache und Literatur Ausdruck des kulturellen Niveaus eines Gemeinwesens.

 

Wo aber Sprache verödet, da verödet das Denken.

 

Das sprachliche Vermögen ist zudem für die Bildung und für die Sozialisation jedes Einzelnen wie auch für unser Selbstverständnis als Kulturnation die wesentliche Grundlage.

 

Welt ist nun einmal nur über Sprache erreichbar und erfaßbar, daher sind Wahrnehmung, Denken und Weltinterpretation untrennbar mit Sprache verbunden.

 

Dabei wiederum charakterisiert die besondere sprachliche Ausprägung der Muttersprache auch die jeweils besondere Form des Umgangs eines Volkes mit Welt. (Die Eigenheiten einer bestimmten Sprache – z.B. der Wortschatz – sagen eben auch etwas über die Wahrnehmung der Welt durch ein Sprachvolk aus. Daß die Eskimo/Inuit eine Vielfaches an Ausdrücken für Schnee und die Amazonasindianer ein Vielfaches an Wörtern für die Farbe grün haben, ist bekannt.)

 

Bleiben wir beim Individuum: Sprachbeherrschung ist ein grundlegendes Element der Persönlichkeitsbildung:

·                  Sprache ist Medium für die Vergegenwärtigung und für die Entfaltung von Innerlichkeit und damit Ausdruck der                                       Gesamtpersönlichkeit.

·                  Sprache ist Chance zur Entlastung: Nur wenn man Bedrängendes verbal zum Ausdruck bringen kann, kann man sich davon                  befreien.

·                  Sprache ist das wichtigste und das einzige humane Instrument der Konfliktlösung. Wo Sprache versagt, da regiert die                         Faust – im zwischenmenschlichen und im politischen Bereich.

·                  Über die Sprache begreife ich meine Welt; ein sprachunfähiges Erleben dagegen reduziert Welt auf die Flüchtigkeit bloßer                Eindrücke.

·                  Sprache ermöglicht die Distanzierung zur Welt, die wiederum Voraussetzung für das Verfügen über Welt ist.

Sprachbeherrschung ist zudem Grundlage für das Erleben und das Verantworten von Freiheit, ist Voraussetzung von Selbstbewußtsein: erst über die Sprache verwirklicht sich der Mensch, daher ist Sprache der "Grund des Menschseins" (Martin Heidegger), und der Mensch ist "nur Mensch durch Sprache" (Wilhelm von Humboldt).

Erst mit Sprache ist die Teilhabe an der politischen Öffentlichkeit möglich. Wer die Sprache beherrscht, durchschaut leichter den Mißbrauch von Sprache in der Reklame und in der politischen Propaganda.

Sprache ist also auch von daher ein großes Stück Freiheit. Deshalb ist der in Sprachschablonen gepreßte Mensch das Ziel totalitärer Systeme, die alles mögliche weismachen wollen und die alles - total - vorgeben und reglementieren wollen: auch mittels politisch korrekter Sprachschablonen und Totschlagbegriffe.  (Siehe Orwell!)

Sprachliches Unvermögen dagegen hemmt das Selbstvertrauen, hemmt die Welterschließung, hemmt das Verstehen des anderen und erschwert es, sich verständlich zu machen.

 

Erst die Alphabetisierung erlaubt eine Teilhabe an zivilisatorischen Errungenschaften (Nutzung von Wissenschaft und Technik usw.); erst das Beherrschen der Sprache erlaubt eine Teilhabe an der kulturellen Fülle.

 

Sprache und Literatur begründen ein kulturelles Gedächtnis. Sprache ist zudem das wichtigste Werkzeug des Menschen, um Kultur zu schaffen und diese kommenden Generationen zugänglich zu machen.

Noch einmal zurück zu Wittgenstein: „Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt.“

Wie gesagt: Daß diese Grenzen immer enger werden in diesem unserem Lande, daran wird an allen Ecken und Enden eifrig gearbeitet.

 
Kapitel IV:
Was wir brauchen

„Sprachliche Bildung ist nicht alles, aber ohne sprachliche Bildung ist alles nichts“ – So hieß meine Eingangsthese.

Richtig – unsere jungen Leute müssen auch in der Mathematik (die ja selbst eine Sprache ist) und in den Naturwissenschaften fit werden. Insofern ist sprachliche Bildung nicht alles. Aber es kann Bildung in keinem Bereich gedeihen, wenn der (mutter-) sprachliche Unterbau fehlt.

Um diesen Unterbau zu festigen, wünsche ich mir folgendes:

 
1.
Es ist eine Offensive zu Gunsten des Deutschunterrichts überfällig.

Sehr zu begrüßen ist in diesem Zusammenhang das Memorandum „Für besseren Deutschunterricht“ vom Februar 2013 – erarbeitet von der Humboldt-Gesellschaft für Wissenschaft, Kunst und Bildung e.V. und vom Verein Deutsche Sprache e. V.

Zum Deutschunterricht gehört ein Lektürekanon. In der Schule muß es um große Werke der Literatur gehen - um Werke, die fundamental für eine Epoche sind, deren Wirkung zugleich über den deutschsprachigen Raum, über die jeweilige Epoche und über die Literatur hinausgeht.  (Wir brauchen einen solchen Kanon, damit unsere jungen Leute nicht noch mehr mit einem Wissen unter aller Kanone „glänzen“)

 

Es soll zum Beispiel keiner zum Abitur kommen können, der nicht einen halben Regelmeter deutsche Literatur gelesen hat und der nicht fünfzehn Gedichte sowie Passagen aus dem “Faust“ auswendig kann.

 

Vor allem aber sollte es auch keinen Schultag ohne eine Deutschstunde geben.

 

 

2.

Sodann brauchen wir eine Offensive für das Lesen und für Schulbibliotheken.

 

Das gilt zunächst für die Familien: Wenn Eltern nicht für Bücher, Zeitschriften und Zeitungen sorgen und in deren Nutzung Vorbild sind, dann lesen die Kinder eben kaum. In den Worten von Willi Fährmann: Die klugen Mütter und Tanten der Leseerziehung sind das Erzählen und das Vorlesen zu Hause. Eltern freilich, die stets erdnußmampfend und mit der Blechsemmel in der Hand vor der Glotze sitzen, können schlecht ins Kinderzimmer rufen: Nun lies aber mal ein Buch!

 

Zurück zur Schule: Nach den großen Anstrengungen von Bund, Ländern und Gemeinden bei der Ausstattung der Schulen mit Computern und neuen Medien sollten jetzt wieder die klassischen Printmedien an die Reihe kommen. Ich sage: Buch statt Laptop! Schulbibliothek statt Laptop-Klassen und Whiteboards! Hier wäre mit vergleichsweise geringen Aufwendungen viel erreicht.

Gewiß müssen wir unsere jungen Leute im Umgang mit neuen Medien  schulen. Es reicht aber nicht aus, die Methode des „Downloadens“ von „Just-intime-Wissen“ zu beherrschen.

Ansonsten gilt: Wer sich in einem Buch, in einem Lexikon, in einer Bibliothek nicht auskennt, der kennt sich auch im Internet nicht aus.

  

3.

An die Lehrerschaft appelliere ich:

-        Legen Sie gerade im Fach Deutsch Wert auf sprachliche Exaktheit und auf Ausdrucksvielfalt! Bewerten Sie dies konsequent. Es kann nicht sein, daß die Fremdsprachen, die Mathematik und Naturwissenschaften als die schweren und strengen Fächer gelten, weil das Fach Deutsch als lockeres Fach gilt; schließlich gibt es hier ja kaum etwas Schlechteres als die Note 4.

-        Auch in der Oberstufe sind gelegentliche Orthographie-, Grammatik- und Syntax-Stunden angebracht und notwendig!

-        In jedem Fach ist auf sprachliche Exaktheit Wert zu legen und diese mitzubewerten. Sprachliche Exaktheit und sprachliche Ausdrucksvielfalt zu fördern ist nicht nur der Job der Deutschlehrer.

-        Nutzen Sie Anglizismen, um die muttersprachliche Kreativität ihrer Schüler zu kitzeln und geistreiche Übersetzungen zu kreieren. Bieten Sie damit den Wörterbüchern von Duden und Bertelsmann – den Handlangern zur Verbreitung von Anglizismen – die Stirn!

-        Immunisieren Sie unsere jungen Leute gegen die Lingustik des Gender-Wahns. Verweigern Sie sich diesem Irrsinn (etwa dem Satz Mädchen sind die besseren SchülerInnen“) oder dem Irrsinn, aus dem Neutrum „das Mitglied“ im Plural die „Mitgliederinnen“ zu machen -  alles womöglich mit dem groß geschriebenen Binnen-I . Widersetzen Sie sich dem Diktat der Sprachpolizei aus Brüssel bzw. aus dem angloamerikanischen Bereich, dem zufolge man nicht mehr von „Mum and Dad“ sprechen darf, sondern von parent one und parent two – Elter 1 und Elter 2 – Großelter 1.1 – 1.2 – 2.1 – 2.2 sprechen muß.

-        Denken Sie daran: Es gibt auch deutsche Weihnachtslieder. (Ich sage das, weil man bei so manchem Weihnachtskonzert deutscher Schulen vergeblich danach sucht.)

  

4.

Die Liebe zur eigenen Sprache sollte eine patriotische Selbstverständlichkeit sein.

 

Hier dürften sich Schulpolitik und Schulpädagogik doch etwas mehr ins Zeug legen.  Leitbild könnte Fausts Liebeserklärung in der 2. Studierzimmerszene sein: dort spricht er von „... mein(em) geliebten Deutsch ...“, in das er das heilige Neue Testament übertragen möchte.

 

Vergessen wir nicht: Die Muttersprache ist wichtig für den Zusammenhalt eines Gemeinwesens. Die Muttersprache hat zudem viel mit kultureller, mit nationaler Identität zu tun.

 

Hier haben die Deutschen leider immer noch ein Problem. Über unsere Sprache könnten wir uns aber wieder unserer Identität als Kulturnation besinnen. Eine Esperanto-Identität wäre keine Identität.

 

Gemeinsame Sprache und gemeinsame Literatur aber fördern Identität. Teilhabe an Kultur läßt sich eben nur verwirklichen, wenn die Grundlagen für das Reden miteinander gemeinsame sind.

Deshalb setze ich gegen die um sich greifende Selbstverleugnung der Deutschen einen aufgeklärten Sprachpatriotismus. Mit Imperialismus, Nationalismus oder gar Zwangsgermanisierung hat das nichts zu tun, den Patriotismus ist Liebe zum Eigenen. Nationalismus ist etwas anderes: Haß gegen das Andere.

Außerdem gilt: Der Verlust der kulturellen Selbstachtung (Sprache hat damit zu tun!) ist der Beginn von Dekadenz.

Hier sollten wir uns der durchaus patriotischen Sprach-Leidenschaft eines Wilhelm von Humboldt besinnen – eines Humboldt (genius loci!),

-        der sich mit 32 Sprachen beschäftigte und viele beherrschte,

-        der Sprache als Tür zur Welt betrachtete,

-        der in der Muttersprache den Ausdruck der "Geisteseigentümlichkeit" eines Volkes und die Geistesanlagen einer Nation erkannte,

-        der die Muttersprache die wahre Heimat nannte.

Das sind wunderschöne Beschreibungen, die man verfassungsrechtlich auch zu einem Leitbild einer Nation erheben könnte! Es wäre dies übrigens ein Stück Normalität. Schließlich haben zwei Drittel der EU-Länder die Landessprache in ihrer Verfassung verankert. Die Deutschen nicht!

Also: Gegen der  Deutschen Identitäts-Wirrwarr könnte eine Verankerung der deutschen Sprache im Grundgesetz ein klein wenig helfen. Im Gegensatz zu Ländern etwa wie Österreich und Schweiz hat die deutsche Sprache in Deutschland aber immer noch keinen Verfassungsrang.

Ich frage mich seit Jahren: Warum schaffen es unsere verfassunggebenden Organe nicht, als neuen Absatz 3 im Artikel 22 des Grundgesetzes festzuhalten: „Die Sprache der Bundesrepublik ist deutsch“ ?

Diese Verankerung der deutschen Sprache im GG könnte helfen zu vermeiden, daß wir auch sprachlich immer mehr auf Parallelgesellschaften zustreben. Die Festlegung auf Deutsch als Landessprache wäre insofern ein wichtiger Schritt zur Integration.

Somit bleibt zu hoffen, daß sich die Bewegung für eine Aufnahme der deutschen Sprache ins GG - angeführt von Bundestagspräsident Norbert Lammert - durchsetzt.

Ich setze auf die nächste Legislaturperiode des Bundestages, der die Chance zur Verankerung der deutschen Sprache im Grundgesetz leider 1990 zur deutschen Einheit wie auch zur weitestreichenden Novellierung des Grundgesetzes 2006 im Zuge der Föderalismusreform I verstolpert, ja verschlafen hat.

Übermitteln Sie diesen Wunsch und ein paar andere Sprach-Wünsche Ihren Bundestags- bzw. bayerischen und hessischen Landtags-Kandidaten!

Nutzen wir das Wahl-Jahr 2013 für die Stärkung unserer Muttersprachen und „evaluieren“ wir dann eine Legislaturperiode lang hartnäckig, was dabei herausgekommen ist!!! 

 

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