DEUTSCHER LEHRERVERBAND (DL) - AKTUELL

Nachruf des Deutschen Lehrerverbandes auf seinen ehemaligen Vizepräsidenten Bernhard Fluck

Der Deutsche Lehrerverband (DL) mit seinen Mitgliedsverbänden des allgemeinbildenden und des berufsbildenden Schulwesens trauert um seinen Vizepräsidenten der Jahre 1980 bis 1992. Wir haben Bernhard Fluck in dieser Zeit und darüber hinaus als einen Mitstreiter kennen- und schätzen gelernt, für den der Mensch nicht erst mit dem Abitur beginnt. Denn Bernhard Fluck überzeugte eben auch dadurch, dass er andere, nicht-gymnasiale Schulformen und das gesamte Berufsbildungswesen als gleichberechtigt und als gesellschaftlich unverzichtbar erachtete. 

Es ist exakt 33 Jahre her, dass Bernhard Fluck unmittelbar nach seiner Wahl zum Vorsitzenden des Deutschen Philologenverbandes auch in die vorderste Reihe des Deutschen Lehrerverbandes kam. Hier hat er sich unter anderem intensiv der jüngeren Verbandsmitstreiter angenommen: Er hat sie in die Höhen und in die Niederungen der Bildungspolitik in Deutschland eingeführt; er hat sie mit dem Charakter von Europa- und Welt-Lehrerorganisationen vertraut gemacht.

Vor allem hat Bernhard Fluck beeindruckt, weil er in Personalunion Bildungspolitiker, Philologe, Historiker, Pädagoge, Familienmensch war: in Sitzungen suaviter in modo, fortiter in re, in öffentlichen Auseinandersetzungen eloquent und kantig zugleich, im Freundes- und Kollegen-Kreis mit seinem Witz und Humor unterhaltsam raumfüllend. Vielen seiner Mitstreiter und Weggefährten bleibt Bernhard Fluck als ein Mensch in Erinnerung, der rheinische Leichtigkeit im Verein mit tiefer Nachdenklichkeit lebte.

Bernhard Fluck war bei all dem Bürger und Patriot im besten Sinn des Wortes. Deshalb gehören die Jahre 1990 bis 1992 zu den herausragenden seiner politischen Vita. Sein bleibendes Verdienst ist sein tatkräftiges Bemühen, dass die in der DDR aufgelösten Gymnasien mit der Wiedervereinigung eine Wiedergeburt erfuhren. Er tat das, weil er Bürger und Patriot, nicht weil er Standespolitiker war. Denn Bürgerlichkeit in einem wiedervereinten Deutschland, das war seine tiefe Überzeugung, konnte es nur geben, wenn es wieder ein Gymnasium gibt.

Die letzten Briefe, die er Freunden und damaligen Mitstreitern noch wenige Tage vor seinem plötzlichen Tod schrieb, zeugen davon, wie intensiv, wie besorgt er nach wie vor an der Entwicklung und an so manchen Deformationen des Bildungswesens Anteil nahm. Dass solche Briefe sein Vermächtnis werden sollten, hat keiner geahnt.

Wir erinnern uns, dass Bernhard Fluck immer mal einen Jacob Christoph Burckhardt und dessen posthum erschienene „Weltgeschichtliche Betrachtungen“ (1905) zitierte. Wir erinnern uns, dass er gelegentlich Dietrich Bonhoeffer bemühte und ein Bonhoeffer-Gebet mit Bedacht als eines der Lieder bei der Trauerfeier für ihn intoniert wurde. Ein Wort von Dietrich Bonhoeffer möge deshalb all denen, die um Bernhard Fluck trauern, ein wenig über den Schmerz hinweghelfen: „Je schöner und voller die Erinnerung, desto schwerer ist die Trennung. Aber die Dankbarkeit verwandelt die Erinnerung in eine stille Freude. Man trägt das vergangene Schöne nicht wie einen Stachel, sondern wie ein kostbares Geschenk in sich.“

Josef Kraus, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes (DL)





 

 


 






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