DEUTSCHER LEHRERVERBAND (DL) - AKTUELL
aus "Die Welt" vom 15.07.2011

"Die Anzahl der Schulpsychologen  muss erhöht werden!"

DL und DPhV zur Forderung von Dr. Christine Bergmann, der unabhängigen Beauftragten der Bundesregierung zur Aufarbeitung des sexuellen Kindesmissbrauchs, nach Fortbildung aller Lehrer in diesem Bereich



Am 13.7. 2011 stellte die Unabhänigige Beauftragte, Dr. Christine Bergmann, die beim Deutschen Jugendinstitut in Auftrag gegebene Studie vor, die deutschlandweit erfasste, wie oft sich Schulen, Internate und Heime in den letzten drei Jahren mit Verdachtsfällen von sexuellem Missbrauch auseinandersetzen mussten. Dabei konnte es sich um Fälle im familiären Umfeld handeln, im Freundes- und Bekanntenkreis, oder um Fälle, bei denen ein Angestellter der Institution im Verdacht stand. Die Forscher betonen die Verantwortung der Pädagogen, Verhaltensweisen und Anzeichen für Missbrauch bei Kindern zu erkennen und fordern die gezielte Weiterbildung der Lehrkräfte.

"Wie immer, wenn ein gesellschaftliches Problem virulent wird, ertönt der Ruf nach der Schule", sagte Josef Kraus, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, der Zeitung "Die Welt". "Dabei ist es völlig utopisch zu glauben, dass es etwas nützt, wenn man jetzt 800 000 Lehrer durch solch eine Fortbildung schleust. Ein zusätzliches Seminar im ohnehin dichten Ausbildungsplan kann keine Lösung sein. Stattdessen muss die Anzahl der Schulpsychologen endlich erhöht werden, die für die Missbrauchsproblematik ohnehin den besseren Blick hat."

Heinz-Peter Meidinger, Vorsitzender des Deutschen Philologenverbandes, pflichtete ihm bei. Gleichzeitig forderte er eine neue pädagogische Kultur an den Schulen. "Um mögliche Probleme früh zu erkennen, muss es mehr Austausch unter den Lehrern geben", sagte Meidinger der "Welt". So sollten etwa auf Klassenkonferenzen nicht nur die Noten der einzelnen Schüler, sondern auch Verhaltensauffälligkeiten besprochen werden. Generell seien Lehrer heute stärker pädagogisch gefordert. Sie allein könnten mit dem Thema Missbrauch aber nicht fertig werden, kritisierte er.

Quelle: Die Welt, 15.07.2011





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