DEUTSCHER LEHRERVERBAND (DL) - AKTUELL


DL-Mitgliedsverbände VLW und BLBS zum DQR-Kompromiss
                                                                                                                                                                             

VLW Presseerklärung vom 17.02.2012:

Pressemitteilung des BLBS vom 05.03.2012:
Meilenstein und Startschuss für den nächsten Diskussionsprozess
DQR – amputiert aber lauffähig

Bundesregierung, Kultusministerkonferenz und Wirtschaftsministerkonferenz der Länder, Zentralverband des Deutschen Handwerks, Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, Deutscher Industrie- und Handelskammertag, Deutscher Gewerkschaftsbund, Bundesinstitut für Berufsbildung haben sich nach langer Diskussion auf eine gemeinsame Position zur Umsetzung des EQR auf einen Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR) geeinigt. Soweit so gut – könnte man meinen.

Angelika Rehm und Ernst G. John, die beiden Vorsitzenden des Verbandes der Lehrerinnen und Lehrer an Wirtschaftsschulen, sind positiv zustimmend aber auch vorsichtig zurückhaltend bei der Bewertung dieses Kompromisses. Für beide steht außer Frage, dass damit bildungspolitische Ziele wie Gleichwertigkeit und Durchlässigkeit ein Stück mehr Realität geworden sind, was sich insbesondere darin dokumentiert, dass über das Angebot an berufsbildenden Schulen Abschlüsse erreicht werden können, die auf gleicher Niveaustufe wie Fachhochschul- und Universitätsabschlüsse stehen. Damit wird erstmals in einem überaus breiten Konsens bestätigt, dass der Weg der beruflichen Bildung in gleicher Weise wie der akademischen Weg Chancen zum Aufstieg eröffnet.

Aber zunächst zu den konkreten Entscheidungen:

- Mit dem jetzt verabschiedeten DQR werden erstmals sowohl die berufliche als auch die akademischen Bildung in einem einheitlichen Regelwerk zusammengeführt.

- Die Zuordnung allgemein bildender Abschlüsse wird zunächst verschoben.

- Auf der Basis kompetenzorientierter Ausbildungsordnungen für die berufliche Erstausbildung und kompetenzorientierter Bildungsstandards für die allgemein bildenden Schulabschlüsse soll in fünf Jahren erneut beraten werden und eine Zuordnung der Abschlüsse unter Berücksichtigung der Gleichwertigkeit erfolgen.

- Die berufliche Erstausbildung wird zunächst auf Niveaustufe 3 (für 2-jährige Ausbildungen) und auf Niveaustufe 4 (für 3- und 3 ½-jährige Ausbildungen) eingestuft.

- Der bisherige Diskussionsprozess soll wieder aufgenommen und zu einem Ende geführt werden mit der Zuordnung aller Abschlüsse.

Mit diesen Beschlüssen kann Bundesministerin Schavan zugestimmt werden, dass „wir einen wichtigen Schritt auf dem Weg zum Bildungsraum Europa“ getan haben, „Mobilität und Transparenz in Europa“ gefördert werden, die „Gleichwertigkeit von allgemeiner, hochschulischer und beruflicher Bildung“ ein Stück weiter verwirklicht worden ist und “die Durchlässigkeit zwischen den verschiedenen Bildungsbereichen“ vergrößert wurde.

Rehm und John stimmen der Ministerin zu, dass der Stellenwert der beruflichen Bildung damit in Deutschland gestärkt worden ist. Aber – und da gibt es nichts zu beschönigen  – wo bleiben unsere Vollzeitbildungsgänge wie die Höhere Handelsschule? Hier sind notwendige Entscheidungen vertagt worden.
Es bleibt zu hoffen, dass die Einbeziehung der vollzeitschulischen Bildungsgänge einschließlich der Assistentenbildungsgänge in den DQR gelingt und damit insbesondere die 3-jährigen Assistentenbildungsgänge ihr Mauerblümchendasein endgültig aufgeben können und damit auch die Qualifizierungsarbeit unserer Kolleginnen und Kollegen wertgeschätzt wird.

V. i. S. d. P.: Detlef Sandmann - Pressesprecher des VLW


„Was Politik und Sozialpartner nach ihrem gemeinsamen Auftreten am 31. Januar 2012 als Kompromiss zu verkaufen versuchten, war im Grunde das Scheitern einer klar vereinbarten Zielsetzung“, so Berthold Gehlert, Bundesvorsitzender des Bundesverbandes der Lehrerinnen und Lehrer an beruflichen Schulen (BLBS). Stets habe die Bundesregierung betont, einen bildungsbereichsübergreifenden Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR) schaffen zu wollen. „Als es zur Nagelprobe kam und die Selbsteinschätzungen von involvierten Bildungsbereichen nicht mehr unter einen Hut zu bringen waren, ging es nur noch um Gesichtswahrung“, so der BLBS-Vorsitzende weiter. Und er griff auch zu einem drastischen Vergleich: „Durch die Ausklammerung der allgemein bildenden Abschlüsse wurde der DQR amputiert.“

Der Hauptvorstand des BLBS hat am 24.2.2012 in einem Beschluss1 weitere Positionen bekräftigt:

1. Der BLBS fordert, dass die Einordnung von Qualifikationen in den DQR durch ein unabhängiges Expertengremium erfolgt.

2. Die Einordung der Fachschulabsolventen (z.B. Technikerabschluss oder die Ausbildung von Erzieher/innen) auf Stufe 6 des Qualifikationsrahmens ist auch aus Sicht des BLBS und von Experten unstrittig.

3. Für das weitere Vorgehen erwartet der BLBS, dass auch die Abschlüsse der Berufsfachschulen mit Nachdruck zugeordnet werden. Hier gilt es, die Qualifikationsprofile aus berufsbezogenen und berufsübergreifenden Kompetenzen im vollen Umfang zu würdigen.

4. Die Niveaustufe 5 des DQR darf nicht vornehmlich für die Fortbildungsabschlüsse der Kammern reserviert werden. So sind z. B. die bundeseinheitlich geregelten Gesundheitsfachberufe mindestens auf dieser Stufe anzusiedeln.

5. Die Zuordnung der dualen Ausbildungsberufe ist jetzt politisch gesetzt. Es entspricht dem Grundansatz des dualen Systems, dass die zu bescheinigende Niveaustufe nur in Verbindung von Berufsschulabschlusszeugnis und dem Prüfungszeugnis der Kammern bestätigt wird.

Heiko Pohlmann - Schriftleiter BLBS

1Lesen Sie hier den vollständigen Beschluss auf der Webseite des BLBS.


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