DEUTSCHER LEHRERVERBAND (DL) - PRESSEERKLÄRUNG  


  Bonn, 18. September 2009         

 

Zum Amoklauf in Ansbach

Lehrerverband warnt vor Patentrezepten und vor einem ideologischen Missbrauch von „Ansbach“

  • „Mit Technik ist das Problem nicht zu lösen."
  • „Mitschüler für Warnsignale sensibilisieren!“ 

Der Deutsche Lehrerverband (DL) hat vor übereilten Interpretationen des Amoklaufs von Ansbach gewarnt und die Politik aufgefordert, auf Patentrezepte zu verzichten. Für „schäbig“ hält es der Verband, die für viele Schüler, Eltern und Lehrer traumatischen Ereignisse von Ansbach für eine Attacke gegen ein leistungsorientiertes Schulwesen instrumentalisieren zu wollen.
 
Wörtlich nimmt Verbandspräsident Josef Kraus zu „Ansbach“ wie folgt Stellung:
 
„Verbrechen wie in Ansbach oder zuvor in Winnenden und Erfurt werden sich nie mit absoluter Sicherheit ausschließen lassen. Je mehr man glauben macht, mit Patentrezepten solcher Probleme Herr zu werden, desto trügerischer die Sicherheit und desto unaufmerksamer wird eine Schulgemeinschaft.
 
Technische Maßnahmen, wie Metalldetektoren, Videokameras oder Alarmknöpfe, lösen das Problem keineswegs. Die Täter sind üblicherweise bestens mit einer Schule vertraut und in der Lage, solche Technik auszutricksen. Ansonsten müssen die Schulen natürlich für den Ernstfall Pläne zur Evakuierung oder auch zum Verbarrikadieren parat haben.
 
Die wirksamste Prävention wäre es, wenn man im Sinne einer Kultur des Hinschauens und Hinhörens möglichst viele Gleichaltrige dafür gewinnen und schulen könnte, bei Mitschülern Warnsignale wahrzunehmen. Dies gilt nicht nur für Gewaltentwicklungen, sondern auch für andere Auffälligkeiten, wie Essstörungen oder depressive Entwicklungen. Zum Beispiel könnte man regelmäßig Klassen- und Schulsprecher darin schulen.
 
Ansonsten sind Hintergründe von Gewalttaten individuell sehr unterschiedlich. Zumeist kommen im Einzelfall mehrere Faktoren zusammen, die sich gegenseitig potenzieren. Dazu gehören Beziehungskrisen, familiäre Entwurzelungen, Perspektivelosigkeit, exzessiver medialer Gewaltkonsum usw.“
   
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Für den Inhalt verantwortlich: Waltraud Fuchs (DL)


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