DEUTSCHER LEHRERVERBAND (DL) - PRESSEERKLÄRUNG  

Bonn, 18. August 2003

Harsche Kritik des Lehrerverbandes am Lehrerbildungskonzept der Arbeitgeber

"Die Schulpolitik des Arbeitgeberverbandes kann man nicht mehr ernst nehmen"


Der Deutsche Lehrerverband (DL) hat das unter dem Titel „Master of Education“ veröffentlichte Konzept der Bundesvereinigung Deutscher Arbeitgeberverbände (BDA) zur Lehrerbildung heftig kritisiert. Dieses Konzept sei völlig unausgegoren und es löse allein schon mit seiner protzigen Begrifflichkeit nur Kopfschütteln in den Lehrerkollegien aus. Zudem lasse es mit seiner Diskreditierung der Lehrer als „nur ungenügend qualifiziert“ jede Spur von Takt gegenüber den 750.000 Lehrern in Deutschland vermissen, so DL-Präsident Josef Kraus.

Im Einzelnen nahm Kraus zum BDA-Konzept wie folgt Stellung:

„1.
Das BDA-Papier zeugt von miserabler Kenntnis der Praxis der Lehrerbildung in Deutschland. Die Forderung nach der Einrichtung von Praktika für Lehramtsstudenten geht ins Leere, weil es in den Bundesländern bereits bis zu vier Praktika für jeden angehenden Lehrer gibt.
 2.
Eine rein verbale Schaumschlägerei ist die Forderung der BDA nach Einführung eines „Trainee“-Programms für angehende Lehrer. Hier hätte man sich seitens der Verfasser des Papiers einmal wirklich anschauen sollen, dass das nichts anderes ist als das, was im Referendariat stattfindet.
 3.
Völlig daneben liegt der Vorschlag, mittels Tests geeignete Lehramtsstudenten herauszufiltern. Tatsache ist vielmehr, dass es solche Testverfahren nicht gibt und dass das zentrale Problem der Schulen in Deutschland überhaupt sein wird, eine halbwegs ausreichende Zahl an Studienanfängern für ein Lehramtsstudium zu bekommen.
 4.
Mit seinem Konzept der Lehrerbildung nach dem Bachelor-/Mastermodell widersprechen sich die Arbeitgeber selbst. Einerseits bekennen sie sich zu einem nach Schulformen differenzierten Schulwesen, zugleich befördern sie mit dem Bachelor/Master-Konzept den Trend in Richtung Einheitslehrer.
 5.
Jede Antwort schuldig bleibt die BDA auf die Frage nach der Bedeutung des fachwissenschaftlichen Studiums gerade für Lehrer an weiterführenden Schulen. Wenn die BDA meint, es reiche aus, dass sich die fachlichen Inhalte eines Lehreramtsstudiums nur an den Standards für Schülerabschlussprüfungen zu orientieren hätten, dann bringt sie damit implizit zum Ausdruck, dass Lehrer kaum mehr als Schüler können müssten.“
Abschließend merkte Kraus an: „Wir Lehrer sind es leid, jedes Jahr im Sommerloch von verqueren Ideen zu lesen, die Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt den Schulen in herablassender Attitüde anempfiehlt. Wenn die Wirtschaft ein Innovationsdefizit hat, dann soll sie die Ursachen nicht – wie jetzt explizit wieder geschehen - in den Schulen suchen, sondern bei sich selbst. Was die jungen Leute betrifft, so sollte die Wirtschaft ebenfalls vor der eigenen Tür kehren und endlich dafür sorgen, dass es im Herbst 2003 nicht zu einer Lehrstellenkatastrophe mit 50.000 unversorgten Lehrstellenbewerbern kommt.“
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Für den Inhalt verantwortlich: Waltraud Fuchs, DL


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