DEUTSCHER LEHRERVERBAND (DL) - PRESSEERKLÄRUNG  



„Steuerrechtliche Behandlung des Lehrerarbeitszimmers rechtlich nicht haltbar und politisch skandalös"

  • „Gesetzgeber ignorant gegenüber Arbeitsspektrum von Lehrern"
  • "Dienstliche Arbeitszimmer für alle Lehrer kosten 20 Milliarden Euro"


Einführende Stellungnahme von Lehrerverbandspräsident Josef Kraus zur Pressekonferenz vom 27. März 2007

Anlässlich der Präsentation des Rechtgutachtens von sechs Lehrerverbänden zur steuerlichen Absetzbarkeit des Lehrerarbeitszimmers gab Josef Kraus, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes (DL), folgende Erklärung ab:

„Das Steueränderungsgesetz 2007 mit dem Wegfall der steuerlichen Absetzbarkeit des Arbeitszimmers von Lehrern ist nicht nur verfassungsrechtlich unhaltbar, sondern auch politisch skandalös.

Die hohe Politik zeigt sich hier einmal mehr als völlig ignorant gegenüber dem tatsächlichen Arbeitsaufwand und Aufgabenspektrum von Lehrern. Beispiel: Ein Lehrer einer weiterführenden Schule mit einer wöchentlichen Unterrichtsverpflichtung von 26 Stunden in den Fächern Deutsch und Englisch hat in sechs bis sieben verschiedenen Klassen rund 200 verschiedene Schüler. Von jedem dieser Schüler muss er pro Schuljahr rund zwölf Stegreifaufgaben, Diktate, Übungsaufsätze, Übungsessays, Klausuren und dgl. korrigieren. Das entspricht einem jährlichen Aufwand an reiner Korrekturzeit - Vorbereitungszeiten nicht mitgerechnet - von rund 1.000 Arbeitsstunden. Eine solche Arbeit kann ungestört und konzentriert nur in einem häuslichen Arbeitszimmer erledigt werden, zumal darunter viele Arbeiten sind, die über den weiteren Bildungsweg eines Heranwachsenden entscheiden. Diese eintausend Stunden sind im übrigen mehr, als die betreffende Lehrkraft in einem Schuljahr in einer Klasse steht; letzteres entspricht etwa 800 Zeitstunden.

Es ist außerdem eine finanzpolitische Milchmädchenrechnung zu glauben, mit der Streichung der steuerlichen Absetzbarkeit des häuslichen Arbeitszimmers von Lehrern würden 300 Millionen Euro mehr in den Staatshaushalt fließen. Dieser Summe steht der Aufwand entgegen, den die öffentliche Hand zu leisten hätte, um allen 800.000 deutschen Lehrern einen dienstlichen Arbeitsplatz zur Verfügung zu stellen. Die Aufwandsträger der Schulen müssten dann nämlich pro Lehrer einen Arbeitsplatz von rund zehn Quadratmetern Fläche zur Verfügung stellen. Das ergibt bei den üblichen Kosten öffentlicher Bauten pro Lehrer einen Finanzaufwand von 25.000 Euro, bei 800.000 deutschen Lehrern also einen Aufwand von 20 Milliarden Euro.

Vor diesem Hintergrund kann man nur hoffen, dass der Gesetzgeber eine Korrektur seines Steueränderungsgesetzes vornimmt, ehe die Finanzämter mit Zigtausenden von Klagen lahmgelegt werden und der Gesetzgeber vor Gericht auf die Nase fällt."


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