DEUTSCHER LEHRERVERBAND (DL) - PRESSEERKLÄRUNG  

Bonn, 8. März 2007         



Lehrerverbandschef Kraus zum "Aktionsrat Bildung" der bayerischen Wirtschaft

„Voll daneben – grob fahrlässig – zynisch“
  •  „Wirtschaft sollte Hauptschülern Chancen bieten, statt Arbeitsplätze zu exportieren.“
  •  Kritik an der Beteiligung des deutschen PISA-Koordinators

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes (DL), Josef Kraus, hat das heute vorgestellte
Jahresgutachten „Bildungsgerechtigkeit“ des Aktionsrates Bildung beim Verband der Bayerischen Wirtschaft (VBW) heftig kritisiert. Im einzelnen nimmt Kraus dazu wie folgt Stellung:

„Der Aktionsrat Bildung liegt mit mehreren zentralen Forderungen voll daneben. Erstens wird eine Zusammenlegung von Hauptschule und Realschule zu einer so genannten Sekundarschule bei einem Drittel der Schülerschaft zu einer massenhaften Überforderung und bei einem anderen Drittel zu einer massenhaften Unterforderung führen. Mit Blick auf Bayern, für dessen Wirtschaft dieses Gutachten angefertigt wurde, ist das zudem grob fahrlässig, denn es gefährdete das erfolgreichste deutsche Schulsystem – zumal das einzige deutsche, das bei internationalen Vergleichen an der Spitze mithalten kann.

Grob fahrlässig ist zweitens auch der Vorschlag, das Abitur als formalen Rechtstitel zu entwerten. Hier müssten die Herren Professoren eigentlich wissen, dass die Note eines Zentralabiturs der zuverlässigste aller denkbaren Indikatoren für die Studierfähigkeit eines Bewerbers ist. Eine Öffnung der Hochschulen am Abitur vorbei wird die Quote der Studienabbrecher noch mehr nach oben treiben.

Drittens ist die Forderung nach einer immer nur befristeten Beschäftigung von Lehrern abwegig. So etwas gefährdet die Kontinuität, die Schulbildung braucht. Außerdem wird damit die ohnehin erheblich reduzierte Attraktivität des Lehrerberufes weiter eingeschränkt. Wir werden dann noch mehr Probleme bei der Nachwuchsgewinnung haben.“

Kraus warnte die Wirtschaft davor, sich den Vorschlägen dieses Gutachtens anzuschließen. Vielmehr müsse sich die Wirtschaft endlich selbstkritisch fragen, welchen Beitrag sie zu einer ungerechten Verteilung von Chancen geleistet habe. Wörtlich: „Es ist zynisch seitens der Wirtschaft, einerseits über eine ungerechte Verteilung von Bildungs- und Lebenschancen zu klagen, andererseits aber Hauptschüler bei der Lehrstellensuche in großer Zahl zu übergehen und Arbeitsplätze in Leichtlohnländer zu exportieren.“

Verärgert zeigt sich Kraus über die Mitwirkung bestimmter Professoren an diesem Jahresgutachten. Kraus dazu: „Es geht nicht an, dass der amtierende deutsche PISA-Koordinator sich in Sachen Schulpolitik so weit aus dem Fenster lehnt. Er nährt damit Zweifel an der Neutralität, Objektivität und Transparenz zukünftiger PISA-Studien.“

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Für den Inhalt verantwortlich: Torger Brunken, DL


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