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 BR-online - Interview mit Josef Kraus vom 17. November 2010

Sparpläne und Lehrer-Zukunft

Beamter sein oder nicht sein

Müssen Lehrer Beamte sein, fragt der Ministerpräsident, der seinen Staatshaushalt entschlacken will. Ja, antwortet Josef Kraus, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes. Im Interview mit BR-online erklärt er, warum alles andere Nachteile bringt - vor allem für den Staat selbst.

Von Veronika Beer

BR-online: Herr Kraus, seien wir ehrlich: Gut 100.000 Lehrer in Bayern belasten den Staatshaushalt massiv. Um die 80.000 Euro kostet ein Gymnasiallehrer im Jahr. Ist es da nicht legitim, dass Ministerpräsident Horst Seehofer genau hier ansetzen will mit seinen Sparplänen?

Josef Kraus: Aber Bildung ist halt nicht zum Minitarif zu haben, sondern nur mit qualifizierten und motivierten Lehrern. Im Übrigen haben Lehrer viele zusätzliche Belastungen wie G8-Einführung oder den doppelten Abitur-Jahrgang in Kauf nehmen müssen, ebenso zahlreiche Verschlechterungen wie die höhere Lehrverpflichtung. Wenn die Besoldung der Lehrer so üppig wäre, wie manche glauben machen wollen, dann frage ich mich, warum gerade in Fächern wie Mathematik, Naturwissenschaften, berufsbildenden Fächern wie E-Technik oder kaufmännischen Fächern die Bewerber ausbleiben. Junge Leute mit Schwerpunkt in diesen Fächern finden außerhalb der Schule weitaus lukrativere Angebote.

BR-online: Wie kann man sich die Situation eines Berufseinsteigers heute vorstellen - sagen wir: 30 Jahre alt, Gymnasiallehrer. Wie sieht sein Arbeitspensum aus, wie sein Gehalt?

Josef Kraus: Ein Gymnasiallehrer mit den Fächern Deutsch und Englisch unterrichtet in einem Schuljahr rund 1.000 Stunden. Er korrigiert darüber hinaus in dieser Zeit ungefähr 1.000 Stunden, weil er im Schnitt drei Deutsch- und drei Englisch-Klassen hat. Als Referendar hat er sich mit monatlich maximal 1.000 Euro begnügen müssen. Als Studienrat kommt er brutto auf 2.800 bis 3.000 Euro monatlich. Die Lohnzuwächse in den letzten Jahren waren im gesamten öffentlichen Dienst gering. Es ist zu befürchten, dass es so weitergeht.

BR-online: Aber weshalb muss ein Lehrer in Ihren Augen denn so dringend Beamter sein?

Josef Kraus: Der Beamtenstatus der Lehrer garantiert das Bildungsrecht der Schüler, denn er geht einher mit einem Streikverbot. Damit wird verhindert, dass durch streikende Lehrer - wie dies in vielen Ländern der Welt der Fall ist - regelmäßig wochenlang Unterricht ausfällt. Zudem greifen Lehrer mit ihren schulrechtlichen Entscheidungen in Grundrechte ein, indem sie etwa Schülern aufgrund schulischer Leistungen Abschlüsse zuerkennen oder verweigern. Und der Beamtenstatus der Lehrer gewährleistet natürlich auch deren politische und weltanschauliche Unabhängigkeit.

BR-online: Bleibt immer noch das Problem der hohen Kosten für den Freistaat. Fast die Hälfte des Staatshaushalts wird für das Personal ausgegeben.

Josef Kraus: Aber angestellte Lehrer sind nicht unbedingt preiswerter. Im Gegenteil: Mehrere Studien der letzten beiden Jahrzehnte haben nachgewiesen, dass verbeamtete Lehrer ihre Dienstherren weniger Geld kosten. Denn in dem Moment, in dem Lehrer auf Angestelltenstatus umgestellt würden, müsste der Staat auch noch den Arbeitgeberanteil zusätzlich zu den Sozialversicherungen tragen.



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