DEUTSCHER LEHRERVERBAND (DL) - PRESSEERKLÄRUNG  

Bonn, 20. November 2002


Lehrer fordern Offensive für Schulbibliotheken

Anlässlich der neuen OECD-Studie "Reading for Chance" hat der Deutsche Lehrerverband (DL) Bund, Länder und Gemeinden zu einer Offensive für die Schulbibliotheken aufgefordert. Diese aktuelle OECD-Studie belegt ebenso wie die PISA-Studie, dass der Schulerfolg in hohem Maße von der Lesebereitschaft der Schüler abhängt und dass deutsche Schüler im internationalen Vergleich viel weniger lesen.

Verbandspräsident Josef Kraus, selbst Leiter eines Gymnasiums und einer darin integrierten öffentlichen Kreis- und Stadtbibliothek, begründete die Forderung seines Verbandes wie folgt:
 

"An den meisten Schulen in Deutschland gibt es keine Schulbibliothek, die diesen Namen verdient. Deshalb hat Deutschland keine schulische Bibliothekskultur. Spätestens die internationalen Lesestudien aber belegen, dass die Nähe von Schülern zum Buch ein maßgeblicher Faktor bei der Förderung der Lesebereitschaft ist. Das gilt zunächst für die Familien: Wenn die Eltern zu Hause nicht für Bücher, Zeitschriften und Zeitungen sorgen, dann lesen die Kinder eben auch kaum. Und wenn die Schulen keine attraktiven Bücherangebote in ansprechenden Räumen vorhalten, versagt auch die Leseerziehung in den Schulen.

Nach den großen und erfolgreichen Anstrengungen von Bund, Ländern und Gemeinden bei der Ausstattung der Schulen mit Computern und neuen Medien sollten jetzt wieder die klassischen Printmedien dran sein. Dass sich solche Investitionen lohnen, zeigen vor allem die skandinavischen Länder. Dort sind die Schulbibliotheken erheblich besser ausgestattet als in Deutschland, außerdem sind sie zumeist als kombinierte öffentliche und schulische Bibliotheken in das Gemeindeleben integriert.

Eine in Deutschland vielfach übliche Schulbücherei mit einem Bestand von wenigen tausend oder gar nur ein paar hundert Bänden auf einer Fläche von hundert Quadratmetern ist nicht die Lösung. Eine Schulbibliothek muss mit einem breiten Sortiment und mit Autorenlesungen Mädchen und Jungen gleichermaßen locken können; außerdem muss eine solche Einrichtung räumlich so attraktiv sein, dass sich junge Leute gerne darin aufhalten: vor dem Unterricht, nach dem Unterricht, in der Pause, in Freistunden und am Nachmittag.

Eine attraktive Schulbibliothek ist nicht zum Nulltarif zu haben. Dafür sind außer geeigneten Räumen entsprechende Mittel für Personal und Anschaffung notwendig. Allerdings ist hier mit vergleichsweise geringen Aufwendungen viel erreicht. Würde beispielsweise für Schulbibliotheken der gleiche Betrag aufgewendet, wie er jetzt mit vier Milliarden Euro für die Förderung schulischer Ganztagsbetreuung aufgebracht wird, dann wäre der Effekt für die zukünftigen Testleistungen deutscher Schüler gewiss eindeutig messbar."

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Für den Inhalt verantwortlich: Waltraud Fuchs (DL)



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