DEUTSCHER LEHRERVERBAND (DL) - PRESSEERKLÄRUNG 

Bonn, 10.08.2000


Lehrer kritisieren Forderung nach einem Laptop für jeden Schüler:

"Bulmahn überschätzt die schulische Bedeutung des Computers"

Als „Profilierungs-Fingerübung“ hat der Deutsche Lehrerverband (DL) die Forderung von Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn bewertet, bis zum Jahr 2006 solle jeder Schüler seinen eigenen Laptop haben. Konkret hält Josef Kraus, Präsident des Deutschen Lehrerver-bandes (DL), Frau Bulmahn vor, dass sie mit dieser „technizistischen Bildungsperspektive einer milliardenschweren Fehlinvestition das Wort rede, anstatt Vorschläge zur Sicherung der Personalversorgung der Schulen zu machen.“

Inhaltlich kommentierte Kraus den Vorstoß von Frau Bulmahn wie folgt:

„Der Computer wird in seiner Bedeutung für die Schulen überschätzt. Auch in Zukunft wird es keinen Nürnberger Trichter geben, auch keinen elektronischen. Schule wird immer zum Großteil über die Kommunikation Lehrer-Schüler und über Printmedien stattfinden. Deshalb wird das Lehrer-Schüler-Gespräch im Zentrum schulischen Lernens bleiben.

Die Einführung in das Internet, die Einspielung der Aufnahmen eines Wettersatelliten in den Erdkundeunterricht oder die Computersimulation eines Experiments im Chemieunterricht - all dies ist für Schule selbstverständlich und in nichts revolutionär. Dafür reicht es, wenn etwa eine allgemeinbildende Schule für rund fünf bis zehn Prozent der Schüler einen Computerar-beitsplatz hat. Es ist aber schwer nachvollziehbar, worin der Vorzug einer vernetzten Schule liegen soll, wenn man das meiste, was das Internet dem Schüler einer allgemeinbildenden Schule an Sinnvollem bietet, in einem Buch nachschlagen kann. Schließlich wird sich derje-nige, der sich in einem Buch oder in einer Bibliothek nicht zurecht findet, auch im Internet nicht zurecht finden. Ansonsten harren ganz andere Probleme einer Lösung durch die Schul-politik: Nicht das Just-in-time- und Download-Häppchen-Wissen, sondern verlässliche Inhalte sind wichtig. Deshalb sollten wir unseren Schulen eine Inhalts- und eine Kanon-Debatte zu-muten und sie nicht einer totalen Computerisierung ausliefern.

Im Übrigen wäre zu wünschen, die Bildungspolitik würde sich in Sachen Computerisierung nicht von Quoten, etwa Computer-Schüler-Relationen, leiten lassen, sondern erst einmal dif-ferenziert definieren, für welchen Zweck ein Grundschüler, ein Schüler einer weiterführenden Schule und ein Schüler einer berufsbildenden Schule einen Laptop brauchen kann. Allein bei dieser Unterscheidung werde sich herausstellen, dass die Erfordernisse einer gewerblichen oder kaufmännischen Berufsschule ganz andere sind als die einer Grundschule.“
_________________________________________
Für den Inhalt verantwortlich: Waltraud Fuchs, DL


© Deutscher Lehrerverband (DL) - Burbacher Straße 8 - 53129 Bonn - Tel. (02 28) 21 12 12 - FAX 21 12 24DL-HomeSeitenanfang