DEUTSCHER LEHRERVERBAND (DL) - PRESSEERKLÄRUNG  


Bonn, 6. April 2005         


DL zum Lehrerbildungsmodell des DIHK:

"In der Begründung ärgerlich und im Konzept widersprüchlich"

Ablehnend hat der Deutsche Lehrerverband (DL) auf die am 5. April 2005 in Berlin vorgetragenen Vorschläge des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) zur Lehrerbildung reagiert.

In einer Stellungnahme äußert sich DL-Präsident Josef Kraus wie folgt:

„Das DIHK-Konzept ist bereits in seiner Begründung maßlos und ärgerlich. Es ist jedenfalls ein Affront gegen alle 800.000 Lehrer in Deutschland, wenn der DIHK seine Vorschläge zur Reform der Lehrerbildung damit zu begründen versucht, dass zwanzig Prozent der Jugendlichen nur bedingt ausbildungsreif seien und zehn Prozent ohne Schulabschluss blieben. Wer so argumentiert und ausschließlich den Lehrern die Schuld an diesen Problemen zuschiebt, hat vom Bildungs- und Erziehungsgeschehen nichts verstanden. Solche Schuldzuweisungen sind in etwa so niveauvoll, wie wenn jemand die Manager in Handel und Industrie allein dafür verantwortlich machte, dass Deutschland derzeit über fünf Millionen Arbeitslose und die deutsche Wirtschaft innerhalb Europas die schwächsten Wachstumsraten hat.

Widersprüchlich ist der Vorschlag des DIHK, die Lehrerbildung zukünftig an Altersstufen auszurichten. Offenbar hat der DIHK überhaupt nicht gemerkt, dass er damit sein eigenes Bekenntnis zu einem differenzierten, gegliederten Schulwesen einschließlich Hauptschule untergräbt. Wer aber - wie der DIHK - einen Einheitslehrer für alle Klassen zwischen Stufe 5 und 10 favorisiert, sollte sich sein Lippenbekenntnis zu einem gegliederten Schulwesen abschminken.

Völlig unausgegoren ist der Vorstoß des DIHK, das Referendariat abzuschaffen. Gerade das Referendariat – so auch das Urteil einer OECD-Kommission vom vergangenen Jahr – garantiert nämlich Praxisnähe.“

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Für den Inhalt verantwortlich: Torger Brunken (DL)


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