DEUTSCHER LEHRERVERBAND (DL) - PRESSEERKLÄRUNG  


  Bonn, 19. Januar 2011         

 

Bildung und Unterricht in Zeiten von Google und Wikipedia


Die Internetsuchmaschine „Google“ und das Internetlexikon „Wikipedia“ bestimmen immer mehr unseren Alltag. Die Nutzung weiterer neuer Medien kommt hinzu: Man holt sich die aktuellen Bundesligaergebnisse oder die aktuellen Bahnverspätungen auf das „Mäusekino“ seines „Handys“. Sogenannte Social Networks finden immer mehr Anhänger. Ein halbe Milliarde Menschen weltweit „arbeitet“ mit Facebook. Über zehn Millionen Deutsche sind dort bereits angemeldet. Twitter hat weltweit über einhundert Millionen Nutzer-Accounts.

Vor allem junge Menschen gehen mit all diesen neuen Möglichkeiten unbefangen, oft unreflektiert und zumeist wie selbstverständlich um. Das wirkt tief hinein in das Kommunikationsverhalten junger Leute und in deren schulische Bildung. Dass Schüler ihre Lehrer qua „Spickmich“ meinen, aus der Anonymität heraus bewerten zu müssen, mag für manchen Lehrer und manche Schulen eine ärgerliche Randerscheinung sein. 

Viel markanter sind die Veränderungen, die sich aufgrund des veränderten Kommunikationsverhaltens der Jugend im Unterricht abzeichnen. Gemeint ist damit nicht die Tatsache, dass Schüler – so wie sie früher Comics unter der Bank gelesen oder Spickzettel genutzt haben – jetzt unter der Bank SMSe absetzen oder sich während einer Klausur via „mobile“ die eine oder andere Information beschaffen. 

Nein, Google, Wikipedia und Co. verändern die Art und Weise, wie sich Schüler Wissen und Information beschaffen, wie sie was verwerten, wie neue Medien Wahrnehmung, Denken und Urteilen verändern.

Zweifelsohne demokratisieren Google, Wikipedia und Co. Wissen und Information. Und gewiss auch muss Schule die Möglichkeiten, die sich ihr und der heranwachsenden Generation mit neuen Medien bieten, aufgreifen. Zugleich aber ist zu befürchten, dass Google, Wikipedia und Co. zu einer bequemen Simplifizierung von Recherche, Informationsbeschaffung und Urteilsbildung führen. Viele Lehrer – und auch Professoren - wissen mittlerweile ein Lied davon zu singen: Sie erleben immer häufiger, wie Schüler und Studenten schriftliche Arbeiten, Referate und dergleichen im Internet abkupfern oder auch nur visualisiert aufgemotzt in Unterricht und Seminar zum Besten geben und die Verpackung, zum Beispiel eine Power-Point-Präsentation, für den Inhalt halten.

Fragen über Fragen! Antworten darauf zu finden, war das Anliegen der dokumentierten Fachtagung. Diese Fachtagung wurde am 10. Juni 2010 gemeinsam von der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS), dem Deutschen Lehrerverband (DL) und der Deutschen Gesellschaft für Informationswissenschaft und Informationspraxis e.V. (DGI) veranstaltet. Sie war ein voller Erfolg, vor allem weil die Referenten das Thema von sehr unterschiedlichen Standpunkten her beleuchtet haben.

Die Konrad-Adenauer-Stiftung und der Deutsche Lehrerverband setzten damit ihre seit Jahren intensive und fruchtbare Zusammenarbeit fort. Unter anderem hatten die beiden im Jahr 2000 das Projekt „Bildung der Persönlichkeit“ ins Leben gerufen und dazu unter anderem Kerncurricula für zahlreiche Schulfächer veröffentlicht. Zu diversen Schulleistungs-Studien oder auch zur Situation der beruflichen Bildung in Deutschland hatten Stiftung und Lehrerverband Analysen vorgelegt. Zuletzt hatten KAS und DL bereits Fachtagungen zu anderen hochaktuellen Themen veranstaltet: 2007 zum Thema „Bildungschancen für Migranten“ und 2009 zum Thema „Empirische Bildungsforschung – Notwendigkeit und Risiko“. Die Dokumentationen dazu finden sich unter www.kas.de oder unter www.lehrerverband.de.

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Für den Inhalt verantwortlich: Waltraud Fuchs (DL)


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