DEUTSCHER LEHRERVERBAND (DL) - PRESSEERKLÄRUNG  


Bonn, 22. September 2006         

Deutscher Lehrerverband (DL) zur Bildungsrede des Bundespräsidenten:


„Eine solide, aber keine große Rede“
  • „Berufliche Bildung als Kernstück des Bildungswesens leider völlig ausgeklammert“
  • „Deutsches Schulwesen nicht schlechtreden!“
  • „Es gibt in Sachen Bildung auch eine Holschuld der Schüler und Eltern“

Josef Kraus, Vorsitzender des Deutschen Lehrerverbandes (DL), hat die gestrige Bildungsrede von Bundespräsident Horst Köhler als solide Rede bezeichnet; eine große oder gar mitreißende Rede sei es aber nicht gewesen. Im Einzelnen nahm Kraus zur Bildungsrede des Bundespräsidenten heute wie folgt Stellung:

„Nicht glücklich sind wir darüber, dass der Bundespräsident ein Kernstück des deutschen Bildungswesens völlig ausgeklammert hat, nämlich den großen Sektor der beruflichen Bildung und der beruflichen Schulen. Über diesen Bereich nehmen zwei Drittel der jungen Menschen ihren qualifizierten Weg in die berufliche Existenz. Hier scheint der Bundespräsident leider etwas infiziert zu sein von der Illusion einer gewaltigen Steigerung der Abiturienten- und Akademikerquote. Angesicht der angespannten Ausbildungssituation wäre in diesem Kontext ein nachdrücklicher Appell an die Wirtschaft, genügend Lehrstellen zu schaffen, angebracht gewesen.

Überhaupt wäre es – anstatt das deutsche Schulwesen schlechtzureden - angezeigt, den zwölf Millionen Schülern und ihren 800.000 Lehrern einmal zu attestieren, dass sie sehr wohl auch im internationalen Vergleich Beachtliches leisten. Dies gilt für mehrere Schulformen, und es gilt vor allem für die Breite der Allgemeinbildung, auf die vergleichbare Länder zugunsten einer frühen und einseitigen Spezialisierung verzichten.

Gewünscht hätten wir uns zudem ein klares Wort zur Frage, wer die Verantwortung für Bildungsdefizite trägt. Es gibt nämlich nicht nur eine Bringschuld des Staates, der ein breites und anspruchsvolles Bildungsangebot vorhalten muss. Sondern es gibt auch eine Holschuld der Schüler und Eltern, die aus der breiten Palette des Angebots in Eigenverantwortung etwas machen müssen.“

Kraus fand aber auch Positives in Köhlers Rede: „Die 800.000 Lehrer in Deutschland sind dem Bundespräsidenten dankbar, dass er ihre Arbeit gewürdigt und die besonders engagierten unter ihnen als Helden des Alltags gelobt hat. Hoffentlich zügeln damit alle Politiker, die sich in den vergangenen Jahren unsachlich über die Lehrerschaft ausgelassen haben, zukünftig ihre Zunge. Als hilfreich betrachten wir auch das Bekenntnis des Bundespräsidenten zum Leistungsprinzip, zur Werteerziehung, zur Erziehungspflicht der Eltern, zur Hauptschule sowie seine kritischen Worte zur Bildungsfinanzierung.“

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Für den Inhalt verantwortlich: Waltraud Fuchs (DL)


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