DEUTSCHER LEHRERVERBAND (DL) - AKTUELL
       

Aus "Handelsblatt Online" vom 10. September 2010

MIGRANTEN ALS LEHRER

Verband hält Regierungspläne für praxisuntauglich



Die Regierung will mehr Migranten im Schuldienst, SPD und Grünen schwebt eine Einstellungsquote vor, mit der vornehmlich Ausländer für den Lehrerberuf begeistert werden sollen. Der Lehrerverband sieht die Überlegungen skeptisch.

Der Deutsche Lehrerverband hält die Empfehlung der Bundesregierung, künftig verstärkt Lehrer mit Migrationshintergrund einzustellen, für wenig praxistauglich. Zwar sei es wert, über die Idee nachzudenken. „In der Praxis wird sich diese Initiative aber kaum in nennenswerter Größenordnung umsetzen lassen“, sagte Verbandspräsident Josef Kraus Handelsblatt Online.

Dessen ungeachtet stellte Kraus klar, dass für solche Lehrer die gleichen Maßstäbe gelten müssten wie für jeden anderen Lehrer auch: Nur wer eine Hochschulzugangsberechtigung, ein Lehramtsstudium und eine Lehrerausbildung nach deutschem Recht sowie eine Verpflichtung auf die freiheitlich-demokratische Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland nachweisen könne, komme in Frage. „Diese Voraussetzungen erfüllen derzeit nur sehr wenige potenzielle Aspiranten“, sagte Kraus.

Der Lehrerverbandspräsident gab zudem zu bedenken, der Wunsch, mehr Lehrer mit Migrationshintergrund an die Schulen zu bringen, allenfalls als langfristige Zielsetzung eine Chance auf Umsetzung habe. „Sollte es gelingen, ab sofort mehr Abiturienten mit Migrationshintergrund für den Lehrerberuf zu gewinnen, so würden diese erst in rund sieben bis acht Jahren in den Schulen zum Einsatz kommen“, sagte Kraus. Viel wichtiger ist es aus seiner Sicht daher, eine konsequente und obligatorische Bildungsberatung für Migrantenfamilien zu institutionalisieren. „Hier wäre viel früher mit positiven Effekten zu rechnen.“


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