DEUTSCHER LEHRERVERBAND (DL) - PRESSEERKLÄRUNG 

Bonn, 2. März 2001
Lehrerverband:

„Binnen zwölf Jahren werden 300.000 neue Lehrer gebraucht“

Die Versorgung der 40.000 deutschen Schulen mit ausreichend vielen und gut qualifizierten Lehrern ist nach Auffassung des Deutschen Lehrerverbandes (DL) zukünftig die zentrale Frage bei der Sicherung des Bildungsstandortes Deutschland. Alle Diskussionen um die Ziele, Inhalte und Strukturen schulischer Bildung würden hinter dieser Frage verblassen. Konkret rechnet der Verband vor, dass in den kommenden zwölf Jahren rund 350.000 Lehrer in den Ruhestand eintreten. Auf Stellen umgerechnet und unter der realistischen Annahme, dass sich in dieser Zeit die Zahl der Schüler nur geringfügig verringert, sind dies rund 300.000 Lehrerstellen, die bis 2013 wieder besetzt werden müssen.

Nach dem jetzigen Erkenntnisstand fehlen die dafür notwendigen Bewerber, weil die Zahl der Lehramtsstudenten nicht Schritt hält mit der Zahl der Pensionierungen. Es sei zu befürchten, dass die notwendigen Bewerber in weiten Schulbereichen nicht in ausreichender Zahl vorhanden sind. Die Folgen wären größere Klassen sowie Kürzungen des Wochenunterrichts, drastische Einbußen in der Bildungsqualität und damit eine Gefährdung des Bildungsstandortes.

Der Präsident des Lehrerverbandes, Josef Kraus, erhebt in diesem Zusammenhang schwere Vorwürfe gegen die Schulpolitik. Anders als in der Wirtschaft sei der Personalbedarf der Schulen recht gut prognostizierbar. Eine entscheidende Planungsgröße sei auf mehrere Jahrzehnte hinaus bekannt, nämlich die Altersstruktur der aktiven Lehrerschaft; und auch die Zahlen der Schüler und der Lehramtsstudenten seien auf ein Jahrzehnt hinaus bekannte Parameter. Statt dessen habe die Politik kurzatmig agiert und sich mit „Tricks“ über einen Mangel an Lehrern hinweggerettet, zum Beispiel mittels Kürzung der Wochenstundentafel.

In seinem Memorandum analysiert der Lehrerverband auch die Gründe für das schwindende Interesse junger Leute am Lehrerberuf: etwa die geringe Entlohnung der Referendare, die geringen Karrierechancen, die belastenden Arbeitsbedingungen und die selbst von der Politik zu verantwortenden Vorurteile gegenüber dem Lehrerberuf.

Der Verband warnt zwar vor einer undifferenzierten Werbung für den Lehrerberuf, denn der Bedarf sei je nach Schulform, Schulfach und Bundesland sehr unterschiedlich. Insgesamt aber sei ein Bündel an Maßnahmen notwendig. Dazu rechnet der Verband eine verstärkte Werbung für den Lehrerberuf, eine Steigerung der Attraktivität des Lehrerberufes und seiner Arbeitsbedingungen, die Rekrutierung arbeitsloser Lehrer, die Förderung von Umsteigerprogrammen, die Sicherung der Ausbildungskapazitäten, die Förderung der bundesweiten Mobilität der Lehrer sowie die Förderung der europaweiten Mobilität der Lehrer.
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Für den Inhalt verantwortlich: Waltraud Fuchs (DL)


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