DEUTSCHER LEHRERVERBAND (DL) - PRESSEERKLÄRUNG  

Bonn, 20. Februar 2004


Lehrerverband zum UNESCO-Tag der Muttersprache am 21. Februar

"Bildungspolitik lässt Muttersprache und Deutschunterricht verkommen"


Am 21. Februar wird weltweit der „Internationale Tag der Muttersprache“ begangen; er geht zurück auf einen entsprechenden Beschluss der UNESCO-Generalversammlung vom November 1999. Der Deutsche Lehrerverband (DL) hat aus diesem Anlass heftige Vorwürfe gegen die Bildungspolitik in Deutschland erhoben. Josef Kraus, der Präsident des DL, beschuldigt die politisch Verantwortlichen anlässlich dieses UNESCO-Tages vor allem, den Deutschunterricht, aber auch die Sprache der Pädagogik verkommen zu lassen.

Im Einzelnen sagte Josef Kraus dazu:

„Keine andere zivilisierte Nation der Welt geht in der Schulpolitik und in der Pädagogik so nachlässig und gleichgültig mit der eigenen Muttersprache um. Während in den meisten Ländern der Welt die Muttersprache als Unterrichtsfach zwischen 23 und 26 Prozent des schulischen Gesamtunterrichts ausmacht, sind es in Deutschland nur rund 16 Prozent. Und keine andere Nation der Welt gestattet eine schulische Abschlussprüfung ohne verbindliche Prüfung in der Muttersprache. Es kommt hinzu, dass in Deutschland bereits die Grundschullehrpläne auf Sparflamme in Sachen Muttersprache eingestellt wurden; selbst das viel gerühmte Bayern hat den Grundwortschatz der Grundschüler binnen weniger Jahre von 1.100 im Jahr 1990 auf nunmehr nur noch 700 Wörter heruntergefahren. Zudem wurden anspruchsvolle Literatur und simple Gebrauchstexte in den Lehrplänen vieler Bundesländer egalisiert, das heißt auf eine Ebene gestellt.
Der Deutschunterricht hat sich diesen Vorgaben angepasst und das Niveau in vielen Bundesländern heruntergefahren: Es gibt oft keinen verbindlichen Lektürekanon mehr; die Deutschlehrer sind gehalten, mit Textauszügen statt mit Ganzschriften zu arbeiten; anstelle von kompletten Diktaten werden oft nur noch Lückentexte geboten; die Rechtschreibreform mit ihrem Beliebigkeitsprinzip tut ein Übriges.
Ein besonderes Ärgernis ist zudem die fortschreitende Amerikanisierung der Sprache der Pädagogik in Deutschland: Ohne Quality Management, Best Practice, Just-in-Time-Knowledge, Educ@tion und Download-Wissen scheint es nicht mehr zu gehen.“

Der Lehrerverband fordert alle Bundesländer auf, eine Offensive zu Gunsten des Deutschunterrichts zu starten. Nur so könne die Schule ihren umfassenden Auftrag der Persönlichkeitsbildung, einer soliden kulturellen Grundbildung und einer tragfähigen Förderung der Berufs- und Studierreife erfüllen.
_________________________________________
Für den Inhalt verantwortlich: Waltraud Fuchs (DL)

Deutscher Lehrerverband (DL) - Burbacher Straße 8 - 53129 Bonn - Tel. (02 28) 21 12 12 - FAX 21 12 24 DL-Home Seitenanfang