DEUTSCHER LEHRERVERBAND (DL) - PRESSEERKLÄRUNG 

Bonn, 17.08.2000


Lehrer wehren sich gegen den Vorwurf, beim Thema
Nationalsozialismus/Rechtsextremismus zu versagen

Zu den zuletzt wiederholt vorgetragenen Forderungen, die Schule müsse sich intensiver um das Thema Nationalsozialismus/Rechtsextremismus kümmern, erklärte der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes (DL), Josef Kraus, heute in Bonn:

„Gewalt gegen Ausländer ist eine besonders unappetitliche Form von Kriminalität. Gegen Pöbeleien, Schmierereien, Schlägereien und Menschenjagden extremistischer Hohlköpfe vorzugehen ist deshalb Aufgabe aller staatlichen Instanzen, aller gesellschaftlichen Kräfte und aller Staatsbürger. Es mutet aber wie Aktionismus, ja wie ein Ritual an, wenn namhaften Leuten jetzt kaum anderes einfällt, als Schule hauptverantwortlich für die Bekämpfung des Rechtsextremismus zu machen oder diesbezüglich gar Defizite in der Lehrerschaft bzw. in der Lehrerbildung sehen zu wollen.

Die Lehrer sind es jedenfalls leid, immer wieder als pädagogische Feuerwehrleute für alle möglichen gesellschaftlichen Probleme oder gar als Versager in Sachen politischer Bildung herhalten zu müssen.

Die Schule versagt nicht. Kein Schüler in Deutschland verlässt die Schule, ohne nicht mindestens zehnmal, an dem um drei bis vier Jahre länger dauernden Gymnasium zwanzigmal sehr konkret unterrichtlich mit dem Nationalsozialismus konfrontiert gewesen zu sein – in den Fächern Geschichte, Politik/Sozialkunde, Religionslehre/Ethik und in der Literatur. Zum Umgang der Schule mit Extremismus gehört es außerdem, dass Schule in den eigenen Mauern jegliches Aufkeimen von extremistischen Handlungen unterbindet. Wo das Strafgesetzbuch tangiert wird, da hat die Schule Polizei und Staatsanwaltschaft einzubinden.

Ansonsten wäre es für die schulische Erziehung hilfreich, wenn der Rechtsstaat in allen Fällen von Gewalt rasch und konsequent handelte. Lehrer sind dann ratlos, wenn ihre Schüler sie fragen, warum menschenjagende Glatzköpfe nach zwei Stunden Verhör wieder auf freien Fuß gesetzt werden und warum es über dreihundert rechtsextreme Homepages im Internet geben kann.“
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Für den Inhalt verantwortlich: Waltraud Fuchs (DL)


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