DEUTSCHER LEHRERVERBAND (DL) - PRESSEERKLÄRUNG  

Bonn, 17. September 2003


Kraus: Deutsches Ausbildungssystem bleibt unberücksichtigt

Lehrerverband hält Bildungsstudie für wertlos

Der Deutsche Lehrerverband hält nicht viel von Untersuchungen wie der neuesten OECD-Bildungsstudie. Derartige Erhebungen berücksichtigten nicht das differenzierte Qualifikationssystem in Deutschland.

Bei derartigen Studien sei der Blick lediglich auf Hochschulabschlüsse gerichtet, sagte der Vorsitzende Josef Kraus am Mittwoch der Nachrichtenagentur AP. Dabei bleibe unberücksichtigt, dass es Berufe gebe, die in Deutschland über die betriebliche Ausbildung vermittelt würden, während in anderen Ländern dafür ein Hochschulstudium nötig sei.

Die am Dienstag veröffentlichte neueste Jahresstudie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hatte gezeigt, dass in Deutschland der Anteil der Hochschulabsolventen weit unter dem Durchschnitt liegt. Zudem sieht die Studie einen Zusammenhang zwischen niedriger Studierendenzahl und schlechten wirtschaftlichen Daten.

"Solche Untersuchungen gehen völlig am Markt vorbei", kritisierte Kraus. So sei etwa in Finnland und den USA für den Beruf der Krankenschwester ein Hochschulstudium nötig, während es in Deutschland ein Lehrberuf sei. "Unsere berufsbildenden Schulen sind vielfach auf dem Niveau von Hochschulen anderer Länder." Der britische Bachelor als erster berufsqualifizierender Abschluss leiste das, was in Deutschland oft eine berufliche Ausbildung leiste. "Mich stört, dass bei dieser Untersuchung ein Bildungssektor vernachlässigt wird, der bisher immer als Vorbild und als Exportschlager galt", erklärte Kraus.

Zudem ärgere ihn die "monokausale Betrachtungsweise" der Studie, derzufolge Wirtschaftsdaten mit der Abiturientenquote korrelierten. "Man kann nicht sagen, dass es da eine eindeutige Korrelation gibt, das hängt von vielen Faktoren ab."  Wenn der wirtschaftliche Erfolg tatsächlich von der Zahl der Abiturienten abhänge, dann müssten die deutschen Stadtstaaten die besten wirtschaftlichen Daten haben, sagte Kraus. Zudem mache es sich die Wirtschaft zu einfach, wenn sie nun auf diesen Zug aufspringe. "Die Wirtschaft  hat allen Grund, vor der eigenen Tür zu kehren, das ist bloß ein Ablenkungsmanöver."

Auch die Vorsitzende der Kultusministerkonferenz, die hessische Kultusministerin Karin Wolff, betonte, die wirtschaftliche Schwäche Deutschlands habe viele unterschiedliche politische und wirtschaftliche Gründe. "Man kann sicherlich nicht die aktuelle Lehrstellensituation ganz kurzschrittig damit verbinden, dass nun die Bildung allein schuld sei", sagte die CDU-Politikerin im Deutschlandfunk.

Quelle: AP

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