DEUTSCHER LEHRERVERBAND (DL) - PRESSEERKLÄRUNG  

Bonn, 4. Dezember 2003


Heftige Kritik an Vorabberichten zu einer OECD-Bildungsstudie


Der Deutsche Lehrerverband (DL) hat die ersten Darstellungen der in Arbeit befindlichen OECD-Lehrerstudie „Attracting, Developing and Retaining Effective Teachers“ heftig kritisiert.

Wörtlich erklärte DL-Präsident Josef Kraus dazu:

„Wenn das Ergebnis solcher Studien ist, dass u. a. von einschlägig interessierten Journalisten kübelweise Beschimpfungen über Deutschlands Schulen und Lehrer ausgeschüttet werden, dann sind solche Studien das Papier nicht wert, auf dem sie gedruckt werden.

Die anstehende OECD-Studie kann ansonsten deshalb nicht als seriös gelten, weil die Datenerhebung in wissenschaftlich untragbarer Weise zustande kam: Das internationale Expertenteam zur Begutachtung des deutschen Schulwesens bestand aus einem Spanier, einem Ungarn, einem Schweden und einem Engländer – vier Leuten also, die in ihren Herkunftsländern nur einheitliche Schulsysteme kennen. Das Team hat zudem von 42.000 deutschen Schulen in gerade eben zehn Schultagen ganze acht Schulen in vier von sechzehn Bundesländern (Hamburg, Brandenburg, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen) besucht. Das Team hat darüber hinaus bereits im September 2003 bei der Befragung deutscher Experten den Eindruck vermittelt, dass es die Vielfalt des deutschen Bildungswesens weder durchschauen könne noch durchschauen wolle. Die Art und Weise, wie das deutsche Schulwesen nunmehr abgekanzelt werde (deutsche Schüler und Lehrer als „Marionetten“), erinnert zudem an die Kampfvokabeln der 70er Jahre. Das hat mit Wissenschaft nichts mehr, mit Ideologie aber sehr viel zu tun.

Nachdem wir in den vergangenen zwei Jahren in Deutschland mit in der Summe mittlerweile dreitausend Seiten an so genannten Bildungsgutachten zugeschüttet worden sind, ist der hauptsächliche Effekt solcher neu inszenierten Horrormeldungen, dass man sie nicht mehr ernst nimmt. Das dämpft auch dort die Reformbereitschaft, wo sie notwendig wäre.

Generell ist in Deutschland jetzt ein Zustand erreicht, wo das Schlechtreden von Schule und Lehrerberuf zum Kern des Bildungsproblems wurde.“

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Für den Inhalt verantwortlich: Waltraud Fuchs (DL)

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