DEUTSCHER LEHRERVERBAND (DL) - PRESSEERKLÄRUNG  

Bonn, 22. September 2004


Lehrerverband übt heftige Kritik an OECD-Lehrerstudie


Heftige Kritik hat der Deutsche Lehrerverband (DL) an der heute veröffentlichten Lehrerstudie der OECD geübt. In einer ersten Stellungnahme sagte DL-Präsident Josef Kraus zu einzelnen Punkten der Studie:

Zur Erhebungsmethode: „Diese Studie hat eine äußerst dürftige Basis. Die Tätigkeit von fast 800.000 Lehrern an Deutschlands 42.000 Schulen ist viel zu komplex, als dass sie von einer Handvoll sogenannter OECD-Experten an zehn Schultagen bei einer Rundreise durch vier Bundesländer und beim Besuch von acht Schulen erfasst werden könnte. Daraus weitreichende Schlussfolgerungen zu ziehen ist höchst unseriös.“

Zur Bezahlung deutscher Lehrer: „ Die deutschen Lehrergehälter  sind im wesentlichen Abbild des Lohngefüges im gesamten deutschen Beschäftigungssystem. Alle Berufsgruppen und Leistungsempfänger in Deutschland gehören im weltweiten Vergleich zu den jeweiligen Spitzengruppen; das gilt für den Industriearbeiter ebenso wie für den Sozialhilfeempfänger. Außerdem liegt die Arbeitszeit der deutschen Lehrer international im oberen Bereich.“

Zum Beamtenstatus deutscher Lehrer: „Der Beamtenstatus steht für Unterrichtsgarantie sowie für pädagogische und politische Unabhängigkeit der Lehrer. Angestellte Lehrer dagegen sind streikberechtigt. In vielen Ländern der OECD entfällt deshalb jedes Jahr an vielen Tagen der Unterricht. Ansonsten bietet auch das Beamtenrecht hinreichend Möglichkeiten zur Belohnung bzw. zur Sanktionierung der Lehrer. In mehreren Bundesländern gibt es eine regelmäßige periodische Beurteilung durch die Dienstvorgesetzten der Lehrer; davon hängt es dann unter anderem ab, ob ein Lehrer befördert wird oder eine Prämie erhält.“

Zum Engagement der deutschen Lehrer in Sachen Fortbildung: „Das gesamte Fortbildungsgeschehen in Deutschlands Schulen ist seitens der OECD überhaupt nicht erfassbar. Der größte Teil der Lehrerfortbildung findet im regionalen oder im Rahmen der Einzelschulen statt. Dazu gibt es keine Statistiken. Faktum ist, dass jeder Lehrer pro Jahr de facto mindestens drei Fortbildungstage nutzt. In manchen Bundesländern ist dies sogar vorgeschrieben.“

Zum Durchschnittsalter deutscher Lehrer: „Wenn Lehrer mit 28 Jahren in ihren Beruf kommen und das Ruhestandsalter bei 62 Jahren liegt, dann ist das Durchschnittsalter der Lehrerschaft bei ausgewogener Altersstruktur rein rechnerisch 45 Jahre; davon liegt Deutschland nicht weit entfernt. Ansonsten ist es seitens der OECD in hohem Maße diskriminierend so zu tun, als seien ältere Lehrer schlechtere Lehrer. Wenn wir in Deutschland ein Problem haben, dann damit, dass der Lehrerberuf für junge Leute nicht mehr attraktiv genug ist und es deshalb schwerfallen wird, in den kommenden zehn Jahren die in dieser Zeit mehr als 300.000 aus Altersgründen ausscheidenden Lehrer zu ersetzen.“

Grundsätzliches zu den OECD-„Studien“: „Die OECD sollte endlich aufhören, sich als allwissendes Über-Ministerium für Deutschlands Schulen zu inszenieren. Das von ihr geradezu kultivierte Schlechtreden und Schlechtrechnen des deutschen Schulwesens ist mittlerweile zum Teil des deutschen Bildungsproblems geworden,“ so Kraus abschließend.
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Für den Inhalt verantwortlich: Waltraud Fuchs (DL)

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