DEUTSCHER LEHRERVERBAND (DL) - PRESSEERKLÄRUNG 

Bonn, 17.05.2000


Lehrer fordern 200 Stunden Ökonomie-Unterricht für alle Schüler

Der Deutsche Lehrerverband (DL) hat mehr ökonomische Grundbildung für alle Schüler gefordert. In seinem jetzt veröffentlichten Memorandum "Ökonomische Grundbildung ist Teil der Allgemeinbildung"   fordert der DL, dem als Dachorganisation über die Bundesverbände der Philologen, der Realschullehrer sowie der Lehrer an allen beruflichen Schulen 150.000 Mitglieder angehören, dass alle Schüler bis zur Jahrgangsstufe 10 mindestens 200 Stunden in ökonomischen Grundfragen unterrichtet werden. Dies könne nach Auffassung des DL in einem eigenen Fach, sollte auf Grund der Komplexität der Fragestellungen aber eher in mehreren Fächern geschehen, so DL-Präsident Josef Kraus. Leitfunktion hätten dabei die Fächer Sozialkunde/Politik, Geschichte und Erdkunde. Eine flankierende Aufgabe komme den Fächern Deutsch, Fremdsprachen, Religion/Ethik sowie Mathematik und den Naturwissenschaften zu.

Der Lehrerverband begründet seine Forderungen vor allem mit der Feststellung, dass  Ökonomie Teil einer jeden Kultur und Zivilisation und insofern ökonomische Grundbildung Teil der Enkulturation und Sozialisation eines jeden Menschen sei. Ökonomisches Wissen und die Fähigkeit, selbstbestimmt in ökonomischen Handlungssituationen agieren zu können, seien zudem Voraussetzung für die Teilhabe eines Menschen an der Gesellschaft. Ökonomische Bildung beinhalte insofern zugleich staatsbürgerliche Grundbildung. Leitziel sei dabei der mündige Staatsbürger als eigenverantwortlicher Wirtschaftsbürger, der in dieser Funktion unterschiedliche Rollen einnehme, wie z. B. die des Arbeitnehmers und Konsumenten.

Bei der Auswahl der Themen der ökonomischen Grundbildung im allgemein bildenden Schulwesen, so der DL, müsse größter Wert auf das Wesentliche gelegt und eine Vorwegnahme von Elementen der beruflichen Bildung vermieden werden. Verbindlich sollten im Besonderen folgende Inhalte sein: verschiedene Wirtschaftssysteme und Wirtschaftsordnungen im Vergleich; Prinzipien des Wettbewerbs in der sozialen Marktwirtschaft; die Bedeutung des Wirtschaftswachstums für Beschäftigung und Wohlstand; die Bedeutung von Innovationen für das Wirtschaftswachstum; die gesellschaftliche und individuelle Bedeutung von Arbeit und Beruf; die Rolle des Verbrauchers in einer marktwirtschaftlichen Ordnung; die Bedeutung des Unternehmertums; die Bedeutung von Eigentum und Kapital; die Bedeutung von ökonomischen Erfolgsgrößen wie z. B. Gewinn; Standortfaktoren, Strukturwandel, Europäisierung und Globalisierung; Wandel der beruflichen Anforderungen; Grundzüge des Steuersystems; kollektive und individuelle Alterssicherungssysteme; Grundzüge des Geld- und Zahlungsverkehrs.
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Für den Inhalt verantwortlich: Waltraud Fuchs (DL)


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