DEUTSCHER LEHRERVERBAND (DL) - PRESSEERKLÄRUNG  


  Bonn, 4. Februar 2011         



Lehrerverband warnt Staatsministerin Cornelia Pieper vor DDR-Nostalgie



Der Deutsche Lehrerverband hat mit heftiger Kritik auf die jüngsten bildungspolitischen Äußerungen der FDP-Bildungssprecherin und Staatsministerin im Auswärtigen Amt, Cornelia Pieper, reagiert. (Siehe stern.de vom 3. Februar 2011, 14.00 Uhr). Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus, nannte Piepers Aussagen über die Qualität der Schulbildung in der DDR „hanebüchenen Unsinn“. Cornelia Pieper hatte unter anderem gesagt, Deutschland hätte nach der Wiedervereinigung mehr Elemente des DDR-Systems übernehmen müssen, weil es in der DDR hohe Standards gegeben habe. Die „schlauen“ Sachsen und Thüringer lägen deshalb vor den Schülern aus Bayern und Baden-Württemberg.
 
Im einzelnen sagte Josef Kraus dazu:
 
„Eine solche DDR-Nostalgie ist man nicht einmal aus der Ecke der Ex-SED gewohnt. Frau Pieper betreibt hier offenbar mit Blick auf die Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt Geschichtsklitterung. Sie sollte vielmehr zur Kenntnis nehmen:

  • Thüringen und Sachsen rangieren in den meisten Leistungsstudien nicht an der Spitze. Andere ostdeutsche Länder, die ja die gleiche DDR-Substanz hatten,  nämlich Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg, liegen bei allen Leistungsvergleichen im unteren Mittelbereich oder weit hinten am Ende der innerdeutschen Ranglisten.
  • Überhaupt nicht konkurrenzfähig war das DDR-Schulsystem mit den Kenntnissen seiner Schüler in den Fremdsprachen.
  • Sehr einseitig, nämlich ideologisch geprägt, waren die Kenntnisse der DDR-Schüler in Fächern wie Geschichte, Geographie, Wirtschaft, Politik.
  • Die Quote der Schüler, die in der DDR auf direktem Weg das Abitur machen konnten, lag bis weit in die 1980er Jahre hinein bei acht Prozent. Auf diesen Weg zum Abitur durften sich in der Regel ohnehin nur Kinder aus nicht-bürgerlichen oder aus ideologisch zuverlässigen Elternhäusern machen.

Was das vereinte Deutschland davon hätte übernehmen sollen, bleibt Frau Piepers Geheimnis.

Statt sich in einer solchen Legendenbildung um die DDR-Schule zu verlieren, sollte Frau Pieper sich mehr um ihren eigenen Zuständigkeitsbereich kümmern, zum Beispiel um die deutschen Auslandsschulen. Hier erfährt man derzeit kaum anderes von Frau Pieper als Sparmaßnahmen.“


__________________________________________

Für den Inhalt verantwortlich: Waltraud Fuchs (DL)



Deutscher Lehrerverband (DL) - Burbacher Straße 8 - 53129 Bonn - Tel. (02 28) 21 12 12 - FAX 21 12 24 DL-Home Seitenanfang