DEUTSCHER LEHRERVERBAND (DL) - PRESSEERKLÄRUNG  


  Bonn, 7. Dezember 2010         

 

Deutscher  Lehrerverband (DL) zu PISA:

"Schluss mit der Miesmacherei!"

  • "PISA steht für ein verengtes Bildungsverständnis"
  • "Die wirklichen Probleme der Schulen in Deutschland werden mit PISA nicht erfasst"


Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes (DL), Josef Kraus, nimmt zu den heute veröffentlichten PISA-Ergebnissen der Schüler in Deutschland wie folgt Stellung:

„Die aktuellen PISA-Ergebnisse sind erfreulich, aber im Grunde nicht überraschend, denn bereits bei den PISA-Testungen 2003 und 2006 haben sich Verbesserungen ergeben, so dass Deutschland selbst hochgerühmte Bildungsländer wie Schweden erreichte oder übertraf. Dass Schüler in Deutschland im Bereich Leseverständnis vergleichsweise schwächer abschneiden als in den Bereichen Mathematik und Naturwissenschaften, ist nicht verwunderlich. Schließlich ist Deutschland wie kaum ein anderes Land geprägt von sprachlichen Parallelgesellschaften. Wenn ein nennenswerter Teil der Schüler aber Probleme mit dem Deutschen hat, können die Ergebnisse im Leseverständnis kaum besser sein. Das ist eine unvermindert große Herausforderung an Vorschule und Schule. Hier muss es zudem endlich gelingen, gerade Migrantenfamilien bzw. deren Kinder für das Erlernen solider Deutschkenntnis zu gewinnen.

Ansonsten sollte man in Deutschland endlich aufhören, PISA-Ergebnisse miesmacherisch wie eine nationale Tragödie zu diskutieren. Man sollte PISA gelassen auch als das sehen, was es ist: ein Test, der einen kleinen Ausschnitt aus dem schulischen Lerngeschehen misst. Mit umfassender Allgemein- oder Persönlichkeitsbildung hat PISA nichts zu tun. PISA ist auch völlig ungeeignet, um Korrelationen zwischen sozialer Herkunft und Bildungsabschluss herzustellen. PISA testet schließlich Fünfzehnjährige; PISA erfasst damit weder die vielen Wege vertikaler Durchlässigkeit des deutschen Bildungswesens noch die Hälfte der Studierberechtigten, die diese Berechtigung außerhalb eines Gymnasiums erwerben.

Die drängendsten Probleme des deutschen Schulwesens können im übrigen von PISA nicht wiedergegeben werden. Nämlich dass es nach wie vor zu viele Klassen mit 30 und mehr Schülern gibt und dass in einigen Fachbereichen Lehrer fehlen, zum Beispiel an den allgemeinbildenden Schulen in den Naturwissenschaften und an den berufsbildenden Schulen in technologischen und kaufmännischen Fächern.“

   
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Für den Inhalt verantwortlich: Waltraud Fuchs (DL)


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