DEUTSCHER LEHRERVERBAND (DL) - PRESSEERKLÄRUNG 
                                                                                                 

  Berlin, 05.09.2012    



Stellungnahme des Deutschen Lehrerverbandes zur 2. JAKO-O Bildungsstudie

 

„Kooperation zwischen Elternhaus und Schule – ein wichtiger Baustein für gelungene Bildungsbiographien“

 

Mit großem Interesse nahm der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus, die Ergebnisse der 2. JAKO-O Bildungsstudie in Berlin zur Kenntnis. Kooperation und Kommunikation zwischen Schule und Eltern seien wichtige Bausteine, um Schülerinnen und Schülern zu gelungenen Bildungsbiographien zu verhelfen, unterstrich der Präsident des Dachverbandes, der etwa 160.000 Lehrer in vier Mitgliedsverbänden in Deutschland vertritt.

Warnend sprach sich der DL-Präsident, der auch Schulleiter an einem Gymnasium in Bayern ist, gegenüber zwei gegenläufigen Tendenzen aus, die er verstärkt bei Eltern von Schülern registriere: „Zum einen gibt es die Haltung, Erziehungsaufgaben, die eigentlich die Eltern wahrnehmen müssten, als Aufgabe der Schulen anzusehen und einzufordern. Die Schule kann nicht Reparaturbetrieb für alle gesellschaftlichen Probleme sein, damit wären Schulen, auch die von manchen Eltern präferierte Ganztagsschule, strukturell, personell und zeitlich überfordert.“ Eine Tendenz am gegenteiligen Spektrum der Elternschaft ist seiner Beobachtung nach das Phänomen der sogenannten Helikopter-Eltern: „Das sind Eltern, die wie eine schnelle Eingreiftruppe ständig über ihren Kindern kreisen, um ihnen etwa vergessenes Turnzeug und Wasserflaschen hinterherzutragen, und die damit die Entwicklung ihrer Kinder zu Eigenverantwortung und Selbstständigkeit blockieren.“ Ein gesundes Mittelmaß engagierten Interesses am Schulleben der Kinder sei wünschenswert und konstruktiv.

 Sehr skeptisch sieht Kraus die mit der JAKO-O Studie angeblich zu Tage geförderten Wünsche der Eltern nach einer verlängerten Grundschulzeit. Zahlreiche jüngere Umfragen zeigen nämlich keine überwiegende Vorliebe der Eltern für längeres gemeinsames Lernen; und Länder wie Berlin und Brandenburg mit einer sechsjährigen Grundschule haben sogar erhebliche Leistungsnachteile: „Aus der Diskussion um den Übertritt an die weiterführenden Schulen muss der Druck herausgenommen werden – das deutsche Bildungswesen zeichnet sich durch seine große Vielfalt und die zahlreichen unterschiedlichen Wege, auch zur Studienberechtigung, aus. Um die Aufregungen beim Übertritt an eine weiterführende Schule herauszunehmen, muss deutlicher gemacht werden, dass die Entscheidung für die weiterführende Schule nicht die unumkehrbare Festlegung auf einen bestimmten Lebensweg ist, als die sie oft dargestellt wird.“ Außerdem sei es wichtig, dass nach der Vielzahl von Reformen der letzten Jahre im Schulsystem nun eine Phase der Ruhe ohne Experimente einkehre.

Erfreut äußerte sich der DL-Präsident über die Tatsache, dass die Einschätzung des Lehrerberufs in den Augen der Eltern sehr positiv ist. Lehrkräfte werden als gerecht, engagiert und fachlich kompetent eingeschätzt, es wird gewürdigt, dass sie sich um das Interesse der Kinder bemühen, gut erklären können und Stärken der Schülerinnen und Schüler fördern. „Wie schon in anderen Studien bestätigt sich, dass die Eltern als der Teil der Gesellschaft, der am meisten mit Lehrern zu tun hat und häufig von ihnen durch die Schulkinder hört, ein sehr viel positiveres Bild des Berufsstandes hat als das von Vorurteilen und Klischees geprägte Bild des Lehrerberufs in anderen Gesellschaftsteilen.“

Lesen Sie alle Ergebnisse und Informationen zur 2. JAKO-O Bildungsstudie hier

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Geschäftsstelle Deutscher Lehrerverband Berlin

 

Für Stellungnahmen ist DL-Präsident Josef Kraus unter folgender Rufnummer zu erreichen: 0171–52 45 945.

 



 


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