DEUTSCHER LEHRERVERBAND (DL) - PRESSEERKLÄRUNG 
                                                                                                 

 

Berlin,  08.04.2014

   

Deutscher Lehrerverband zum Gutachten „Psychische Belastungen und Burnout beim Bildungspersonal“

„Auch das beste Gesundheitsmanagement führt ohne verlässliche Rahmenbedingungen zur Selbstausbeutung!"

Das Gutachten „Psychische Belastungen und Burnout beim Bildungspersonal“ des Aktionsrats Bildung wurde anlässlich der Veranstaltung „Deutschland hat Zukunft“ im Haus der Bayerischen Wirtschaft am 08. April 2014 in München vorgestellt. Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus, begrüßte die Forschungsarbeit, die sich mit der Arbeitsbelastung und der Überlastungsgefahr im Lehrerberuf auseinandersetzt. Die Studienautoren sehen die Lösung hauptsächlich in der Aus- und Fortbildung der Lehrkräfte, denen nur die richtigen Instrumente in die Hand gegeben werden müssten, um Burnout zu vermeiden.

Im Rahmen der Podiumsdiskussion anlässlich der Vorstellung des Gutachtens wies der Lehrerverbands-Präsident aber darauf hin, dass die Etablierung eines Systems zum Gesundheitsmanagement an den Schulen, um den Lehrkräften Zeitmanagement und mehr Strategien für Stressresistenz beizubringen, nicht ausreiche. Wenn an den belastenden Arbeitsumständen im Grunde nichts geändert werde, komme ein solches Gesundheitsmanagement fast schon einer Aufforderung zur kontinuierlichen Selbstausbeutung gleich, betonte Kraus.

Er vermisse bei den Vorschlägen der Studienautoren Forderungen an die Politik und die Bildungsadministration, das schulische Bildungssystem angemessen mit Personal und mit finanziellen Mitteln auszustatten. Der DL-Präsident führte weiter aus: „Eine Lehrerausstattung von 110 % an den Schulen könnte dafür sorgen, dass bereits überarbeitete Kollegen nicht noch zusätzliche Stunden für erkrankte Kollegen übernehmen müssen. Erkrankte Lehrkräfte würden nicht noch durch ein schlechtes Gewissen belastet, dass sie ihren Kollegen übermäßigen Stress verursachen, verschleppte Krankheitsverläufe durch zu frühe Arbeitsaufnahme könnten verhindert werden. Persönliche Probleme von Schülern und belastende Situationen durch Erziehungskonflikte oder Verhaltensstörungen könnten durch eine angemessene Ausstattung der Schulen mit Sozialarbeitern, Sonderpädagogen und Schulpsychologen aufgefangen werden – die Vorstellung, dass Lehrkräfte mit dem richtigen Zeitmanagement diese Aufgaben, für die diese Fachleute jahrelang studieren, einfach nebenbei erledigen können, scheint mir zu kurz gegriffen.“

In der Studie werde ausführlich auf die Lehrkräfte geschaut – wie sie sich bewusster für ihren Beruf entscheiden müssten, welche Persönlichkeitseigenschaften sie mitbringen und kultivieren sollten: „Doch auch die geeignetsten, begabtesten, motiviertesten Pädagogen stoßen an ihre Grenzen, wenn die Rahmenbedingungen an den Schulen krank machen. Neben der Personalausstattung und der Finanzierung bedeutete insbesondere der Reformmarathon der vergangenen Jahre in den deutschen Schulsystemen eine große Belastung, die viel Organisation und zusätzliche Arbeit bedeutete – für die Lehrkräfte wäre viel gewonnen, wenn sie sich in Zukunft auf verlässliche Rahmenbedingungen verlassen könnten.“ In zukünftigen Forschungsarbeiten müsse daher ein größeres Augenmerk auf die salutogenen, gesundheitsunterstützenden Faktoren in den schulischen Rahmenbedingungen gelegt werden.

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Für den Inhalt verantwortlich: Anne Schirrmacher, Karen Ullrich (DL)

Für Stellungnahmen ist DL-Präsident Josef Kraus unter folgender Rufnummer zu erreichen: 0171 52 45 945

 


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