DEUTSCHER LEHRERVERBAND (DL) - PRESSEERKLÄRUNG 
                                                                                                 

 

Berlin,  04.03.2014


Deutscher Lehrerverband: Durchlässigkeit des Deutschen Schulsystems
durch Studie bestätigt

„Langfristige Effekte zeigen: Kritik an früher Differenzierung unberechtigt!“

Eine aktuelle, englischsprachige Studie des „Forschungsinstituts zur Zukunft der Arbeit“ (Institute for the Study of Labor) hat dem deutschen Schulwesen eine auch im internationalen Vergleich hohe Durchlässigkeit attestiert. Die Studie, die von Wirtschaftsprofessoren der Universität Hannover und des University College London erarbeitet wurde, basiert auf umfangreichen Zensus- und Sozialversicherungsdaten der Geburtsjahrgänge 1961 bis 1976. Untersucht hatte man vor allem den Werdegang früherer Realschüler und Gymnasiasten. Konkret lautet das wichtige Ergebnis der Studie: Wer als Schüler den Weg zunächst nicht ans Gymnasium nehmen konnte, hat mittel- und langfristig keine Nachteile, weil er mit dem Abschluss der Realschule über sogenannte zweite Wege alle Optionen bis hin zu einem Studium offen hat.

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus, kommentierte:

„Damit ist erneut widerlegt, was sich aufgrund eigenwilliger Interpretationen etwa der OECD und der Bertelsmann Stiftung seit Jahren in den Köpfen als angeblich mangelnde Durchlässigkeit des Schulwesens festgesetzt hat. Das Gegenteil ist der Fall: In Deutschland gibt es keinen Bildungsabschluss ohne einen Bildungsanschluss und die so genannte vertikale Durchlässigkeit des deutschen Schulwesens, also die Chance, bis zum Studium durchzusteigen, ist sehr ausgeprägt und kommt insbesondere Kindern aus bildungsferneren Schichten zugute. Widerlegt ist damit auch die Sorge vieler Eltern, die meinen, der Zug sei für ihr Kind abgefahren, wenn es im elften Lebensjahr nicht an ein Gymnasium habe gehen können oder wollen. Zudem belegt die Studie eindrucksvoll, dass eine Differenzierung der Schüler nach vier Grundschuljahren keinerlei Bildungschancen verbaut.“

Die Wissenschaftler untersuchten die Lebenswege der Schüler, die von ihren Leistungen her nach der Grundschule auf der Schwelle zwischen Realschule und Abitur standen. Ganz gleich, welcher Schulform sie zugewiesen wurden, im langfristigen Verlauf ihres Berufseinstiegs und ihrer Berufswege konnten keine Unterschiede bei den durchschnittlich erreichten Bildungsabschlüssen, der Beschäftigungsquote und dem erzielten Erwerbseinkommen festgestellt werden. „Dies liegt an der hohen vertikalen Durchlässigkeit, die das deutsche Bildungssystem auszeichnet“, so Kraus. „Der Deutsche Lehrerverband weist seit Jahren auf diese positive Eigenschaft des deutschen Schulsystems hin. Allein schon, dass in manchen Bundesländern annähernd die Hälfte der Studierberechtigungen inzwischen auf anderen Wegen als über das Gymnasium erworben werden, ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass es viele Wege zum Studium gibt.“

Die vollständige Studie kann (in englischer Sprache) unter http://ideas.repec.org/p/iza/izadps/dp7897.html abgerufen werden.

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Für den Inhalt verantwortlich: Anne Schirrmacher, Karen Ullrich (DL)

Für Stellungnahmen ist DL-Präsident Josef Kraus unter folgender Rufnummer zu erreichen: 0171 52 45

 


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