DEUTSCHER LEHRERVERBAND (DL) - PRESSEERKLÄRUNG 
                                                                                                 

 

Berlin,  08.01.2016

 DL-Präsident Josef Kraus zur Behandlung von Hitlers "Mein Kampf" in der Schule

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes (DL), Josef Kraus, hat die Herausgabe der kommentierten Auflage von Hitlers „Mein Kampf“ durch das Institut für Zeitgeschichte (IfZ) begrüßt und eine Behandlung von Auszügen daraus im Schulunterricht empfohlen. Er sieht sich in seiner Empfehlung, die er bereits am 17. Dezember 2015 öffentlich machte, bestätigt, nachdem sich mittlerweile mehrere Kultusminister ebenfalls in diesem Sinne geäußert haben. Kraus wörtlich: „Eine solide und differenzierte Behandlung von Textauszügen dieser Hetzschrift im Unterricht kann ein wichtiger Beitrag zur Immunisierung Heranwachsender gegen politischen Extremismus sein.“

 

Im Einzelnen knüpft Kraus daran folgende Überlegungen:

  • Die Schulen können „Mein Kampf“ nicht ignorieren. Was für die Schulen verboten wäre – das weiß man von Indexlisten der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien – erfreut sich, zum Beispiel via Internet, besonderer Nachfrage. Da ist es besser, die Rezeption von „Mein Kampf“ wird durch versierte Lehrer angeleitet.
  • In Frage kommt die Behandlung von „Mein Kampf“ für die Oberstufe der Gymnasien und der berufsbildenden Schulen, also für 16/17-Jährige aufwärts. 
  • Es sind nur Auszüge zu behandeln, an denen nach dem Prinzip „Wehret den Anfängen“ deutlich gemacht werden kann, in welche Katastrophen eine solche Hetzschrift führen kann. 
  • Im Interesse einer Einheitlichkeit beim schulischen Umgang mit „Mein Kampf“ sollte die Kultusministerkonferenz zu didaktisch-methodischen Rahmenempfehlungen finden. Außerdem sollten die 16 deutschen Länder einen sogenannten Reader mit geeigneten Textauszügen erarbeiten lassen und den Schulen zur Verfügung stellen.
  • Die unterrichtliche Behandlung des Nationalsozialismus darf sich nicht in einer drei oder vier Stunden umfassenden Analyse von „Mein Kampf“ erschöpfen. Der Nationalsozialismus ist umfassend aufzuarbeiten: Dazu gehören u.a. Texte von Anne Frank oder Dietrich Bonhoeffer, und dazu gehört in jedem Fall ein Besuch in einem ehemaligen Konzentrationslager. Federführend sollte das Fach Geschichte sein. Flankierend kann die Behandlung des Themas und der Textauszüge auch in den Fächern Politik/Sozialkunde, Religion/Ethik und Deutsch erfolgen.

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Für Stellungnahmen erreichen Sie DL-Präsident Josef Kraus unter 0171 52 45 945.

Für den Inhalt verantwortlich: DL-Geschäftsstelle Anne Schirrmacher

 



 


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