DEUTSCHER LEHRERVERBAND (DL) - PRESSEERKLÄRUNG 
                                                                                                 

  Berlin, 07.09.2011    


Lehrerverband zum Weltalphabetisierungstag am 8. September

„Kampf gegen Analphabetismus auch in Deutschland forcieren!“

- „Ein Wegfall der Hauptschule könnte das Problem verschärfen“

Zum Weltalphabetisierungstag am 8. September ruft der Deutsche Lehrerverband (DL) die auf Bundes-, Landes- und Kommunalebene Verantwortlichen dazu auf, die Bekämpfung des Analphabetismus auch in Deutschland zu forcieren.

Im Einzelnen erklärte DL-Präsident Josef Kraus dazu:
„In einer weitgehend computer- und maschinengestützten Arbeitswelt verschwinden immer mehr Arbeitsplätze, die sich Menschen ohne ausreichende Schreib- und Lesekenntnisse als Nischen suchen konnten. Deswegen müssen die Schulen, vor allem die Pflichtschulen, in die Lage versetzt werden, lese- und schreibschwache Schüler differenziert zu fördern. Wenn den Kindern in den Familien nicht die Freude am Lesen und am Buch vermittelt wird, müssen die Schulen genügend personelle, finanzielle und zeitliche Mittel zur Verfügung haben, um dieses Defizit aufzufangen. Ein späteres Kurieren ist erheblich schwieriger.“

Kraus sieht gerade auch in der in mehreren deutschen Ländern vollzogenen bzw. geplanten Zusammenlegung der Haupt- und der Realschulen die Gefahr, dass gerade die im Lesen und Schreiben schwächeren Schüler weniger Aufmerksamkeit und Förderung erfahren als in einer kleinen Hauptschulklasse, in der entsprechend erfahrene Pädagogen sich um die Lese- und Schreibdefizite ihrer Schüler intensiver kümmern können.

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Informationen zur Lage in Deutschland:

Das Ausmaß des Analphabetismus in Deutschland ist höher, als jahrelang angenommen worden war. Nach einer Studie des Bundesbildungsministeriums, die im März 2011 veröffentlicht wurde, sind etwa 7,5 Millionen Menschen in der Altersgruppe zwischen 18 und 64 Jahre vom funktionalen Analphabetismus betroffen; sie können allenfalls einzelne Sätze lesen und schreiben, sind aber schon von kürzeren zusammenhängenden Texten überfordert. Etwa 2,3 Millionen Menschen in dieser Gruppe können sogar nur einzelne Worte schreiben oder lesen. Bisher hatten die Schätzungen bei etwa 4 Millionen funktionalen Analphabeten gelegen.

Weitere 13,3 Millionen Erwachsenen, die zusammenhängende Texte zwar verstehen, lesen und schreiben auch bei gebräuchlichen Wörtern langsam und/oder fehlerhaft. Das führt häufig dazu, dass sie Lesen und Schreiben weitgehend vermeiden.

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Für den Inhalt verantwortlich: Karen Ullrich, Anne Schirrmacher (DL)

 

Für Stellungnahmen ist DL-Präsident Josef Kraus unter 0171 52 45 945 zu erreichen.

 


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