DEUTSCHER LEHRERVERBAND (DL) - PRESSEERKLÄRUNG  


  Berlin, 24.06.2011    



              Lehrerverband: "CDU-Oberschule ist eine Mogelpackung"

-        „CDU eilt von einer programmatischen Kernschmelze zur nächsten“
-        Warnung vor einer „Legendenbildung um das sächsische Schulwesen“

Der Deutsche Lehrerverband (DL) hat sich eindeutig gegen die Pläne der CDU ausgesprochen, zukünftig Hauptschule und Realschule zu einer Oberschule zusammenzufassen. DL-Präsident Josef Kraus sagte dazu:

„Diese Oberschule ist eine Mogelpackung. Historisch ist der Begriff Oberschule mit der Vorstellung verbunden, dass diese Schule zu einem Hochschulstudium führt. Nur die DDR und Berlin haben die Oberschule über Jahrzehnte hinweg anders definiert. Unter dem Strich verabschiedet sich die CDU mit ihrer Oberschul-Konzeption von ihrem jahrzehntelang vertretenen Grundsatz, dass eine Mehrgliedrigkeit und nicht nur eine Zweigliedrigkeit des Schulwesens die Basis für individuelle schulische Förderung ist. Aus der Sicht der CDU scheint dieser Grundsatz für die bisherigen Realschüler und Hauptschüler nicht mehr zu gelten.“ 

Mit Blick auf verschiedene programmatische Wendungen der CDU in jüngster Zeit fügte Kraus hinzu: „Nachdem die CDU bereits in anderen Politikbereichen ihr Kernprofil verwischt hat, inszeniert sie nun auch schulpolitisch eine Kernschmelze.“

Kraus kritisierte zugleich, dass die CDU das sächsische Schulwesen zum bundesweiten Modell erkläre. Wörtlich: „Ich warne vor einer neuen schulpolitischen Legendenbildung. Gewiss hat Sachsen bei Schulleistungstests oft gut abgeschnitten. Zum einen aber gilt das nicht für die Fremdsprachenkenntnisse sächsischer Schüler. Zum zweiten liegen Sachsens Schulen mit rund fünf Prozent Migrantenanteil weit unter den 20 bis 35 Prozent Migrantenanteilen westdeutscher Flächenländer. Und zum dritten hat Sachsen mit einer Mindestnote von 2,0 im Grundschulzeugnis die strengsten Vorgaben beim Übertritt an ein Gymnasium. Vor diesem Hintergrund mag die sächsische Mittelschule ja gut funktionieren. Ihre Rahmenbedingungen lassen sich aber nicht auf westdeutsche Länder übertragen.“


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Für den Inhalt verantwortlich: Anne Schirrmacher, Karen Ullrich (DL)



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