DEUTSCHER LEHRERVERBAND (DL) - PRESSEERKLÄRUNG 
                                                                                                 

  Berlin, 07.09.2012    


Lehrerverband zum Tag der deutschen Sprache und zum Weltalphabetisierungstag am 8. September 2012

Grundsolider Deutschunterricht - Basis für eine gelungene Bildungsbiographie 

Zum Weltalphabetisierungstag 2012, der jährlich am 8. September stattfindet, und zum Tag der deutschen Sprache am selben Tag weist der Deutsche Lehrerverband (DL) nachdrücklich auf die Bedeutung des Deutschunterrichts an allen Schulformen hin; eine grundsolide sprachliche Schulung im Deutschen stellt schließlich die Basis für eine gelungene Lese- und Bildungsbiographie dar. Etwa 7,5 Millionen Erwachsene in Deutschland sind verschiedenen Studien zufolge von funktionalem Analphabetismus betroffen; diese Menschen können zwar einzelne Wörter und Sätze, aber keine zusammenhängenden Texte lesen und schreiben. Weitere geschätzte 13 Millionen schreiben und lesen auch bei gebräuchlichen Wörtern langsam und/oder fehlerhaft und vermeiden deshalb häufig das Lesen und Schreiben.

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus, erklärte dazu:

„Das Fach Deutsch hat in den letzten Jahren durch schulpolitische Entscheidungen starke Einschränkungen hinnehmen müssen. Stunden wurden gekürzt, Lehrpläne zusammengestrichen, der Wortschatz, den Grundschüler lesend und schreibend beherrschen sollen, wurde immer weiter reduziert, die herkömmliche und über Generationen hinweg bewährte Ausgangsschrift wird in einigen deutschen Ländern abgeschafft. Statt Lesen, Schreiben und Rechtschreibung durch intensives Lesen und Schreiben von Texten zu üben, verdrängen Lückentexte und Multiple-Choice-Tests im Unterricht den differenzierten Gebrauch der Sprache. Experimente im Lese- und Schreiblernprozess machen ganze Schülergenerationen zu Versuchskaninchen, ohne dass vorher tatsächlich bewiesen wird, dass eine neue Methode besser ist.

Dies führt nicht nur zu einem seitens der Hochschulen und der Ausbildungsbetriebe vielfach beklagten schwachen sprachlichen Niveau vieler Studierender und Auszubildender. Es vergrößert zudem die Gefahr, dass Schulabbrecher und Schulabgänger den Kontakt zur Schriftsprache verlieren und als sekundäre bzw. funktionale Analphabeten ihre Lese- und Schreibfertigkeiten verlernen. Da flüssiges Lesen und Schreiben die unbedingte Voraussetzung für eine gelungene Bildungsbiographie sind, müsste gerade in den unteren Klassen dem Deutschunterricht Vorrang vor allen Experimenten wie Frühenglisch eingeräumt werden.“

In diesem Jahr fällt auch der Tag der Deutschen Sprache, ausgerufen vom Verein Deutsche Sprache (VDS) immer für den zweiten Samstag im September, auf den 8. September. Mit zahlreichen Aktionen und Vorträgen will der VDS damit das Bewusstsein für die Ausdruckskraft der deutschen Sprache wecken, für den Gebrauch von verständlichem Deutsch in allen Lebensbereichen werben und die Wahrnehmung von überflüssigen Mode-Fremdwörtern schärfen.

------------------------------------------------------------------------------------------

Für den Inhalt verantwortlich: Anne Schirrmacher, Karen Ullrich (DL)

Für Stellungnahmen ist DL-Präsident Josef Kraus unter folgender Rufnummer zu erreichen: 0171 52 45 945.



 


Deutscher Lehrerverband (DL) -  Dominicusstr. 3 - 10823 Berlin - Tel.: (030) 70 09 47 76 - Fax: (030) 70 09 47 76  - info@lehrerverband.de DL-Home Seitenanfang