DEUTSCHER LEHRERVERBAND (DL) - PRESSEERKLÄRUNG  

Bonn, 30. Mai 2002
Denkschrift des Deutschen Lehrerverbandes (DL)

Verbindliche Lerninhalte und zentrale Abschlussprüfungen gefordert

Der Deutsche Lehrerverband (DL) hat zu mehr Offenheit bei der Testung und öffentlichen Darstellung schulischer Leistungen aufgefordert und zugleich davor gewarnt, Bildung auf das Messbare und Verwertbare zu verkürzen. Dies sind zwei zentrale Aussagen eines Memorandums, das der Verband jetzt unter dem Titel „Qualitätssicherung im Schulwesen“ veröffentlicht hat. Dort heißt es ferner, dass eine regelmäßige Überprüfung helfe, schulische Qualität zu sichern und diese auf der Basis verlässlicher Daten zu erhöhen. Eine Absage erteilte der Lehrerverband einem sog. Schul-Ranking, bei dem eine Rangliste der Leistungen der Einzelschulen veröffentlicht werde. Ein solches Verfahren sei ungerecht, denn es berücksichtige nicht, dass die Einzelschulen im sozialen Umfeld oft sehr unterschiedliche Umstände vorfänden.

Das wesentliche Kriterium für die Qualität von Schule müsse der Unterrichtserfolg sein, so der Präsident des Verbandes, Josef Kraus, und nicht die außerunterrichtliche „Begleitmusik“. Das Schulwesen habe vielmehr die Aufgabe, konkrete Fertigkeiten und konkretes Wissen zu vermitteln. Das setze vor allem Verbindlichkeit in den Bildungszielen und Bildungsinhalten voraus. Der Erwerb von Schlüsselqualifikationen und allgemeinen Kompetenzen allein sei kaum überprüfbar. Große Aussagekraft im Sinne einer Standortbestimmung einer Schule, einer Klasse oder eines Kurses habe darüber hinaus das Ergebnis einer zentralen Abschlussprüfung. Deshalb sollten in allen Schulformen aller Bundesländer zentrale Abschlussprüfungen in den wichtigsten Fächern bzw. in den maßgeblichen Profilfächern durchgeführt werden.

Der Lehrerverband betont zugleich, dass schulische Qualität nicht zum Nulltarif zu haben sei. Die Qualität einer Schule werde schließlich zu erheblichen Teilen von ihrer materiellen und personellen Ausstattung bestimmt. Eine vorbildliche Versorgung mit Lehrkräften, ein gut ausgestatteter „Vertretungspuffer“, ein angemessener Klassenteiler bzw. angemessene Kursgrößen sicherten Qualität.

Bei der Veröffentlichung des Memorandums warnte DL-Präsident Josef Kraus zugleich davor, Bildung im Zuge der internationalen Schulleistungsstudie „PISA“ nur noch als das zu definieren, was mit PISA messbar sei. Wörtlich: „Wenn Bildung mit PISA gleichgesetzt wird, dann ist das ist ein sehr einseitiges Verständnis von Bildung, weil es die wichtigen Aspekte der Persönlichkeitsbildung bzw. der kulturellen Grundbildung völlig wegdrängt.“

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Für den Inhalt verantwortlich: Waltraud Fuchs (DL)


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