DEUTSCHER LEHRERVERBAND (DL) - PRESSEERKLÄRUNG 

Bonn, 30.03.1998

Scharfe Kritik an Rüttgers
  • Vorwurf des "technizistischen Bildungsverständnisses"
  • "Mit Zahlen Horrorszenarium gezeichnet"
  • "Auch durch gebetsmühlenhaftes Wiederholen werden Irrtümer nicht zu Wahrheiten." Mit diesen Worten reagierte Josef Kraus, der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes (DL), auf die jüngsten Äußerungen des Bundesbildungsministers Jürgen Rüttgers zur Schulpolitik. Vor allem wirft Kraus dem Bundesbildungsminister ein reichlich "technizistisches Bildungsverständnis" vor. Kraus weiter: "Hier ein wenig früher einschulen, dort ein wenig früher mit der Schule aufhören und alle Schulen in Internet, das ist mir zu wenig an Wünschen aus dem Munde eines Politikers, der sich auch in Sachen Bildung auf sein christlich-abendländisches Menschenbild besinnen sollte."

    Im besonderen attackiert Kraus die Forderung von Rüttgers nach Abschaffung der 13. Gymnasialklasse. Diese Forderung sei durch nichts untermauert, so Kraus. Wer die Bildungszeit am Gymnasium verkürzen möchte, der solle endlich einmal darlegen, welche Inhalte er streichen wolle. Kraus wörtlich: "Ich bin gespannt auf diese Darlegungen. Aber sie werden nicht kommen, denn Rüttgers weiß, daß er sich damit blamieren wird."

    Kritisch bewertet Kraus auch die von Rüttgers erneut ins Spiel gebrachten Zahlen, nämlich daß in Deutschland angeblich wöchentlich 30 Millionen Mark für Nachhilfe ausgegeben würden und daß jährlich 30.000 Schulabsolventen die Schule verließen, ohne rechnen, schreiben und lesen zu können. Kraus stellt dazu fest: "Selbst wenn die Zahl von 30 Millionen Mark stimmt, dann sind das pro Nase zwei Mark. In Japan das Zehnfache. Außerdem ist diese Summe kein Indikator für das Leistungsvermögen der Schule, sondern für falsche Vorstellungen von Eltern. Diese sollten dieses Geld besser für entsprechende Fürbitten bei Wallfahrten investieren. Das hilft ebensogut. Darüber hinaus ist zu den von Rüttgers bemühten 30.000 Schulabsolventen zu sagen, daß es zwar 30.000 zu viel sind, daß dies bei jährlich einer Million Schulabsolventen gerade eben drei Prozent ausmacht. Der Bildungsminister soll seine Zahlen also prüfen, ehe er mit pseudowissenschaftlicher Statistik ein Horrorszenarium zeichnet."
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    Für den Inhalt verantwortlich: Waltraud Fuchs, DL


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