DEUTSCHER LEHRERVERBAND (DL) - PRESSEERKLÄRUNG  

Bonn, 2. September 2002


Lehrerverband zur Forderung von DIHK-Präsident Braun nach Verkürzung der Berufsbildung

"Verkürzung der beruflichen Bildung gefährdet deren Qualität und fördert ein Fachidiotentum"


Zur Forderung von DIHK-Präsident Ludwig Georg Braun nach Verkürzung der beruflichen Bildung auf zwei Jahre erklärte der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes (DL), Josef Kraus:

„Das System der beruflichen Bildung in Deutschland hat sich sowohl als duale wie auch als vollzeitschulische Berufsbildung bestens bewährt. Weltweit ist anerkannt, dass dieses System einen entscheidenden Vorteil des Wirtschafts- und Bildungsstandortes Deutschland ausmacht. Wer an dieser Berufsbildung ein Drittel der Zeit wegkappen will, der gefährdet deren Anspruch erheblich und fördert ein Fachidiotentum.

Die Qualität der beruflichen Bildung in Deutschland steht und fällt auch damit, dass sie nicht nur Spezialbildung ist, sondern vor allem mit ihren schulischen Teilen immer zugleich Persönlichkeitsbildung und Allgemeinbildung in Deutsch, Mathematik, Politik usw. ist. Brauns Vorstellungen aber laufen darauf hinaus, dass diese wichtigen Bildungsanteile radikal gekürzt werden müssten und dass ansonsten auch die Breite der fachlichen Berufsbildung leidet. Ein Schmalspurspezialist kann aber nicht im Interesse der deutschen Wirtschaft sein.

Braun widerspricht sich ansonsten selbst, wenn er einerseits behauptet, dass 15 Prozent aller Auszubildenden nicht ausbildungsfähig seien, er zugleich aber deren berufliche Bildung drastisch beschneiden will. Damit gibt er offenbar alle Lehrlinge, die sich in der Ausbildung schwerer tun, von vorne herein auf.“

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Für den Inhalt verantwortlich: Waltraud Fuchs (DL)


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