DEUTSCHER LEHRERVERBAND (DL) - PRESSEERKLÄRUNG  

Bonn, 13. November 2003

Lehrerverband zur Bildungsstudie des Prognos-Instituts für die bayerische Wirtschaft:

Einschulung mit vier "radikal falsch" und "am Rande der Verfassung"


Der Deutsche Lehrerverband (DL) sieht in der von der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft  beim Baseler Prognos-Institut in Auftrag gegebenen Bildungsstudie „viele Selbstverständlichkeiten und viele neue Dummheiten.“ Zu den Selbstverständlichkeiten gehören die Forderungen nach einem lebenslangen Lernen und nach einer Stärkung des Leistungsprinzips im Bildungsbereich. Die größte Dummheit, so der Verband, aber sei die Forderung nach einer Einschulung der Kinder mit vier Jahren.

Zu einer Einschulung mit vier Jahren nahm DL-Präsident Josef Kraus wie folgt Stellung:

„Eine Einschulung mit vier Jahren ist politisch-staatsbürgerlich, verfassungsrechtlich und pädagogisch höchst bedenklich. Damit würde die Erziehung kleiner Kinder weitgehend verstaatlicht. Mit einem so massiven Zugriff des Staates auf die Kindheit ist in der Geschichte noch kein Staatssystem gut gefahren. Ein solcher Zugriff ist auch verfassungsrechtlich höchst bedenklich, denn er entmündigt de facto die Eltern. Schließlich ist die Erziehung der Kinder laut Grundgesetz das vornehmste Recht der Eltern. Schule kann zudem nicht leisten, was häusliche Erziehung leisten kann. Auch sind die Kinder mit vier Jahren nicht schulfähig: Es fehlt ihnen an der physischen und psychischen Belastbarkeit, am Konzentrationsvermögen und an der sozialen Reife für einen Schulbesuch.

Mit der Forderung nach Einschulung mit vier Jahren bleibt die Pädagogik endgültig auf der Strecke. Der humane Grundsatz, dass Bildung und Erziehung kindgerecht sein müssten, wird damit auf dem Altar eines blanken Ökonomismus geopfert. Wenn aber beispielsweise die Rentenpolitik versagt hat, dann kann man das nicht auf dem Rücken von Vierjährigen austragen. Aufgabe von Erziehung und Bildung ist es schließlich nicht, Heranwachsende möglichst rasch auf ihre volkswirtschaftliche Verwertung abzurichten.

Insgesamt ist diese so genannte Bildungsstudie erneut ein Beleg dafür, dass in Sachen Bildung in Deutschland derzeit allein die blanke Panik und die Profilierungssucht eines Experten-Unwesens regieren. Die daraus folgende hyperaktive Reformrhetorik wird damit zum eigentlichen Kern unseres Bildungsproblems.“

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Für den Inhalt verantwortlich: Waltraud Fuchs (DL)

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